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Aus der Amazon.de-Redaktion
Als der siebenjährige Peter in der Küche in seinem improvisierten Bettchen liegt, singt Frau Kozinska durch die Risse im Boden in der Wohnung unten. Die Russen, die neuerdings bei ihr wohnen, halten sie nicht davon ab. Dann reißt die Mutter Peter unsanft aus seinen Träumen. Er müsse zur Schule, sagt sie, der Lehrer Fuchs warte. Aber der Lehrer wartet schon lange nicht mehr auf jeden Schüler, seit die Schule zerbombt und in den Milchladen von Fuchs’ Schwester umgezogen ist. Der Krieg ist verloren, Hoffnungslosigkeit hat sich breit gemacht. Was soll man da noch lehren und lernen?
In Die Mittagsfrau entrollt die 37-jährige Berliner Autorin Julia Franck ihre Geschichte, die vor den ersten Weltkrieg zurück reicht, vom Ende her. Mit ihrem Sohn Peter geht Helene, deren unbeschwerte Kindheit in der Lausitz 1918 abrupt beendet wurde, 1945 wie fast jeden Tag zu einem Bahnhof in Vorpommern, um vor den Russen Richtung Berlin zu fliehen. Am Bahnhof lässt sie Peter stehen und verschwindet: die traurige Konsequenz eines Lebens, dass selbst kaum Liebe erfahren hat und dem von daher auch die kindliche Liebe unerträglich wird. Von den Männern enttäuscht und von der Familie verlassen, fasst Helene einen Entschluss, der so grausam ist wie die Schicksalsschläge, die sie selbst erlitten hat...
Offenbar gibt es heute nichts mehr zu erzählen. Nur so lässt sich erklären, warum auch die jüngste Generation deutscher Autorinnen und Autoren literarisch immer wieder zum Krieg und seinen Schrecken Zuflucht nimmt. Solange dies allerdings auf so blendende Art und Weise wie bei Julia Franck geschieht, will und kann man sich nicht beschweren. Die Mittagsfrau jedenfalls entwirft am Einzelschicksal ein grandioses Panorama einer erbarmungslosen Zeit. Unbedingt lesenswert. -- Stefan Kellerer
Ich warte immer noch darauf, dass sich mit der Sinn erschliesst ![]()
Ich habe 3 Abende an diesem Buch gelesen, bin jetzt zum Ende gekommen, aber habe das Gefühl, dass sich mir der Sinn des Ganzen nicht erschlossen hat. Das, was man eigentlich wirklich in Erfahrung bringen wollte, nämlich was passiert ist, als Helene/Alice ihren Sohn auf dem Bahnhof alleine gelassen hat, wird nicht einmal gestreift - was ist mit Martha passiert, was mit Leontine? Was haben diese während der Judenverfolgung konkret erlebt, wo hat Helen sie wieder gefunden? Das einzige was bleibt ist ein beklommenes Gefühl von Unheil. Nicht zu empfehlen.
Betulich ![]()
Nun ist die Erzählweise von Franck schon recht antiquiert in ihrer versuchten Nachahmung eines Stils so etwa aus dem frühen 20sten Jahrhundert.
Ganz schlimm ist aber, dass man eitlen Autoren offenbar nicht ausreden kann, dass sie selbst nicht die besten Interpreten ihrer Stoffe sind. Vorlesen ist eine Kunst wie Schauspielen. Und Franck käme doch wohl nie auf die Idee, die Hauptrolle bei einer Verfilmung des Buches selbst zu übernehmen.
Wenn man sie schon lesen lässt, dürfte ihr Verlag sie nicht alleine lassen, offenbar ohne Regisseur oder Coach.
Franck bringt so gut wie keinen Satz auf den Punkt. Die Stimme, ohnehin nicht gerade klangvoll zu nennen, bleibt fast immer hoch, in der Schwebe, fast wie bei einem Fragesatz. Auch die Phrasierung innerhalb der Sätze ist dürftig, gelegentlich geradezu widersinnig. Was für ein Einschlafmärchen am Bett der eigenen Kinder vielleicht ausreicht, hier ist dieser Dilettantismus eine Frechheit.
Die Verlagsleiterin des dafür verantwortlichen Hörverlags, Claudia Baumhöver, ruft bei der Politik nach einer Ausdehnung der Buchpreisbindung auf Hörbucher. Offenbar sinken die Profite. Diese gekürzte (!) Lesung kostet knapp 30 Euro, also mehr als die Buchfassung. Ein Preis, der angesichts der Einkürzung und des miserablen Vortrags schlicht abgehoben ist. Preisbindung wäre das völlig falsche Signal.
Wenn man Qualität liefert, braucht man keine staatlichen Eingriffe, dann regelt der Markt einen vernünftigen Preis.
Nicht gelungen ![]()
Warum dieses Buch preiswürdig sein soll, ist mir unbegreiflich. Die Erzähltechnik ist antiquiert, die (fiktiven) Personen erscheinen als Stereotype, nicht als Charaktere. Eine variable interne Fokalisierung kombiniert mit Innerem Monolog oder Erlebter Rede hätte dem Stoff einen adäquaten Ausdruck geben können, doch vielleicht fehlt Frau Franck das dafür notwendige schriftstellerische Vermögen.
Alles in Allem ist diese Erzählung eine Art literarischer Placebo.
Schnarch ![]()
Dennis Schenk hat mich neugierig gemacht und daher wollte ich dieses Buch lesen. Ein Desaster! Für eine junge Frau schreibt Julia Franck so bieder und betulich wie der vor Verkalkung und Erstarrung siechende deutsche Literaturbetrieb. Es fehlt ihr an jeglicher Frische, an Einfällen, an Esprit, sprich - an Allem. Francks schwere und bedeutungsschwangere Sprache ist leider so gestelzt und langatmig, ihr Roman hat so viele unnötige Längen, dass "Die Mittagsfrau" nur ein Sternchen verdient. Gerne hätte ich über dieses Kapitel deutscher Familiengeschichten gelesen. Wirklich schade.
Böse Schafe |
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