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Aus der Amazon.de-Redaktion
Ausgebrannt - das ist Andreas Eschbachs dramatisches Endzeit-Szenario, das uns in die Zeit der versiegenden Ölreserven katapultiert. Wir erleben ein düsteres Szenario, das uns drastisch und spannungsgeladen vor Augen führt, wohin der immer größere Hunger nach Öl führen könnte.
Als Markus Westermann in New York zum ersten Mal amerikanischen Boden betritt, ist das für ihn ein magischer Moment: Endlich ist er im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten", wo er ganz groß rauskommen will. Sein amerikanischer Traum scheint jedoch ausgeträumt, bevor er richtig begonnen hat: Seine Firma will ihn entlassen. Zufällig lernt er den Österreicher Karl Block kennen. Der behauptet, mit einer einzigartigen Methode Erdöl finden zu können. Markus Westermann wittert seine Chance und tatsächlich: Die beiden überzeugen eine einflussreiche Risikokapitalgesellschaft und schwimmen bald im Geld. Westermann ist auf der Überholspur - bis nicht nur ihm, sondern auch den Saudis plötzlich das Öl ausgeht. Die Welt, wie wir sie kennen, gerät aus den Fugen.
Andreas Eschbach, bekannt geworden vor allem durch seinen Thriller Das Jesus-Video, weiß, wie man eine spannende Geschichte schreibt. Auch in Ausgebrannt webt er ein Netz aus Personen, Handlungssträngen, Orten und Epochen, das den Leser - ob er will oder nicht - in seinen Bann schlägt. Die Geschichte von Markus Westermann wird dabei erst nach und nach klar - Eschbach arbeitet häufig mit Rückblenden und Zeitsprüngen, zum Teil zu Ereignissen, die weit vor der eigentlichen Erzählung liegen; ganz allmählich weitet sich so die Perspektive. Und indem der Autor viele gut recherchierte Details einarbeitet, stehen plötzlich historisch scheinbar so entfernte Episoden wie der Bau der Bagdad-Bahn und die Terrorflieger vom 11. September 2001 in einem Zusammenhang.
Denn neben den Ereignissen um Markus Westermann erzählt Eschbach auch eine andere Geschichte: die Geschichte der globalisierten Welt, die förmlich am Öltropf hängt, und in der gewiefte Marketingleute, Berater und Finanzexperten mit Milliarden jonglieren. Produktion, Mobilität, Konsum, ja, unser gesamter Lebensstil wären ohne das schwarze Gold schlicht nicht möglich. Was diese Abhängigkeit für uns alle im Ernstfall bedeuten könnte, macht sich aber wohl kaum jemand klar. In Ausgebrannt spielt Eschbach diese Frage bis zum Ende durch - und bietet mit seinem Szenario, das eine ungemütliche Zukunft verheißt, wichtige Denkanstöße. --Holger Sweers, Literaturtest
Spannender Schmöker ![]()
Das Thema ist nach wie vor aktuell. Insgesamt sehr spannend geschrieben und größtenteils auch gut recherchiert.
Auch wenn einige der Zufälle arg konstruiert wirken (Fussmarsch durch die Wildnis in Amerika, trifft schwangere Ex-Freundin), konnte ich doch nach einiger EZit das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Ich habe vorher ein oder zwei Eschbach Bücher gelesen (Jesus Video und 1 Billion oder so) und habe das Gefühl dass er immer besser wird.
Den Literaturnobelpreis wird er zwar nicht bekommen, aber wenn er weiter solche Bücher schreibt, wird er bald endgültig in einer Liga wie Simmel oder Brown angekommen sein.
Was-wäre-wenn das Öl knapp ist... ![]()
(Spoiler!) Der Thriller Ausgebrannt ist ein Planspiel über die Frage: Was-wäre-wenn das Öl als Ressource so knapp geworden ist, dass es sich als Treibstoff für die westliche Kultur nicht mehr rentiert (Man muss mehr Energie reinstecken, Öl zu fördern, als es selbst produziert). Dabei geht es vor allem um eine politische These: Ohne Öl ist die USA keine Supermacht. Oder noch spitzer: Ohne Öl funktionieren die USA gar nicht (mehr). Wunderbares Beispiel: Der lapidare Vergleich von amerikanischen mit europäischen Großstadtstrukturen: Aufgrund der Tendenz europäischer Städteplanung, die sich erweiternde Stadt auch verkehrstechnisch auszuweiten und sozial zu streuen, zieht sich ein Netz durch ihr Gewebe, dass es vor Zerfall schützt. Die USA hingegen, in ihrer gewaltigen Größe und Vielfalt, zerfallen nicht nur in der Stadt. Auch der transatlantische Einfluss fällt ab (eine gewagte These, funktioniert doch noch das Internet, wenn auch nicht einwandfrei). Der globale Markt bricht mit dem Versagen der Transportsysteme zusammen, die Dominanz des Englischen auf deutschem Kulturraum bricht ein und ganze Dienstleistungssektoren vor allem im IT-Bereich brechen weg. Dennoch liegt kein Anti-USA-Thriller vor, kein Beschwören. Der Protagonist Markus Westermann wandert eher aus Liebe zu Amerika aus, nicht aus Hass auf Europa, um sich nach amerikanischem Konzept vollständig zu entfalten (OPI OPM anderer Leute Ideen/Geld). Block findet durch ihn eine amerikanische Chance, sich zu beweisen (das wollen sie im Übrigen alle) und scheitert nicht an den USA, sondern an seiner eigenen Fixierung auf die Idee, überall Öl finden zu können einer der wichtigsten und spannendsten Punkte im Buch. Die präsentierte Lösung besteht in einem ökologischen Verfahren der Alkoholgewinnung, als Treibstoff. Das Buch präsentiert die Vorstellung einer möglichen Zukunft, die keine vom Autor erwartbare Science-Fiction ist, (Bürgerkriegsähnliche Zustände von USA über Nahost bis Australien) mit lehrreichem Rückblick auf die Vergangenheit (z.B. auf Hubbert), mit Hinblick auf die weltpolitische Qualität des Öls (die militärische Präsenz der Amerikaner in Saudi-Arabien und ihr politischer Einfluss dort) und sensibilisiert so notwendigerweise für das derzeit wichtigste Treibmittel, was die westliche Welt noch zusammenhält und dem Buch zufolge scheinbar nicht mehr lange tun wird.
Wenn die Ölbestände schwinden... ![]()
Markus Westermann hat einen Traum. Er will in den Vereinigten Staaten von Amerika Karriere machen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten will er eine eigene Firma gründen und reich und berühmt werden. Als er zufällig den Bohrtechniker Karl Walter Block kennen lernt, scheint sein Ziel in greifbare Nähe zu rücken. Denn der Erdölexperte hat offensichtlich eine Methode gefunden, die es ihm ermöglicht neue Erdölvorkommen zu finden. Als bekannt wird, dass eines der größten Ölfelder in Saudi-Arabien versiegt ist, liegen die Hoffnungen der Welt auf der Block-Methode...
Andres Eschbach hat sich ein interessantes, erschreckend aktuelles Szenario ausgedacht. Es ist kein Geheimnis, dass die bekannten Erdölvorräte zur Neige gehen, trotzdem ist die Erdbevölkerung noch immer auf Öl angewiesen. Was passieren könnte, wenn die Vorräte schneller zur Neige gehen als angenommen, zeigt dieser Roman. Die Geschichte wird spannend und temporeich in verschiedenen Zeitebenen erzählt. Wer nach der Lektüre nicht ins Grübeln kommt, ist vermutlich von stoischer Gemütsruhe...
Schulstunde, nett aufbereitet ![]()
Schon in "Eine Billion Dollar" hat Andreas Eschbach den Hang zum Schulmeisterlichen gezeigt. Das klingt abwertend, aber Eschbach möchte seine Leser anscheinend nicht nur unterhalten, sondern sie sollen (zumindest in diesen beiden Büchern) auch etwas lernen - damals über das Geld- und Bankenwesen, jetzt über Ölförderung und die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Politik. Schwer zu entscheiden, ob er all diese Hintergrundinformationen liefert, weil ohne sie die eigentliche Geschichte kaum verständlich wäre oder weil es ihm tatsächlich ein Anliegen ist, das recherchierte Wissen weiterzugeben. Er macht es jedenfalls meiner Meinung nach sehr gut, und ich kann den negatioven Kritiken nicht zustimmen - die Informationen kommen nicht hölzern und als Fremdkörper daher, sondern sind nett aufbereitet und in die Geschichte verpackt. Mir will auch scheinen, dass sie hier nicht mehr ganz so ausladend präsentiert werden wie damals in"Eine Billion Dollar" (das mir im Übrigen sehr gut gefallen hat) - aber vielleicht liegt der Eindruck auch nur daran, dass das Thema dort teilweise ein abstrakteres war.
So gut das Ganze als Infotainment funktioniert, so wenig kann man andererseits die Schwächen des Romans leugnen. Der Beginn zieht sich endlos hin, immer wieder habe ich das Buch weggelegt, weil einfach zu wenig Spannendes passiert. Es dauert lange, bis die Geschichte an Fahrt gewinnt und bis die Bedeutung einzelner Figuren klar wird. Die Kommentare einzelner Leser, der Beginn sei stark gewesen, kann ich absolut nicht verstehen - mir ging es umgekehrt, beinahe bis zur Mitte des Buches war ich eher mäßig gefesselt. Dann aber, etwa nachdem der Leser endlich die Vorgeschichte des eingangs geschilderten Autounfalls hinter sich gebracht hat, wird es aufregend: Der Zusammenbruch der Wirtschaft, der Infrastruktur, wie die einzelnen Personen darin überleben und wie sie damit umgehen, welche erstaunlichen Entwicklungen sie durchmachen - das ist großartig, glaubhaft und spannend geschildert und etliche Figuren, die vorher arg blass und schematisch wirkten, gewinnen an Tiefe und Profil. Auch hier wird das nötige Hintergrundwissen immer wieder recht gekonnt in Gesprächen und Rückblenden eingeflochten. Ende und Epilog sind dann wieder etwas ruhiger, aber in etwa so, wie man es erwarten konnte und eine kleine Überraschung gibt es dann auch noch.
Wieso der Roman als Thriller verkauft wird, ist nicht verständlich - wahrscheinlich schlicht aus Marketinggründen. Ein besseres Lektorat hätte dem Roman aber sicher gut getan, bereits eine Kürzung um circa ein Drittel (vor allem in der ersten Hälfte) hätte nicht geschadet. Auch die (zum Glück wenigen) Sexszenen sind ziemlich hölzern und unbeholfen dargestellt - besser wäre es gewesen, man hätte sie gestrichen und es bei Andeutungen belassen.
Fazit: Sehr empfehlenswerte Lektüre - ein Roman, der einmal einmal wegen des Themas, andererseits aber auch, zumindest ab der zweiten Hälfte, als Geschichte bestehen kann.
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