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Der Weltensammler

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Der Weltensammler by Ilija Trojanow Preisempf.: EUR 9,90
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Aus der Amazon.de-Redaktion
Der uralte Rhythmus einer indischen Tabla-Trommel, ein Menschenmeer, der Geruch von Henna und faulem Fisch -- tausend Eindrücke schwappen dem Neuankömmling entgegen. Als Kundschafter der englischen Krone soll Richard Francis Burton in der Kolonie Britisch-Indien dienen. Für den wissensdurstigen Burton ist dies eine verlockende Aufgabe. Doch aus Neugierde erwächst bald eine regelrechte Obsession, das Fremde zu enträtseln und darin aufzugehen.

So spannend Ilija Trojanows Roman Der Weltensammler beginnt, so spannend geht es weiter: Einen Brahmanen fleht Burton an, sein Lehrer zu sein. Binnen kurzem ist er in der Lage, Tradition und Sprache wie Kleider an- und abzulegen. Als ein englischer General Burtons Wandlungsfähigkeit erkennt, schickt er ihn als Spion unter die Einheimischen. Burton jedoch geht eigene Wege: Von Indien aus reist er nach Arabien, wo er sich als Moslem ausgibt und die Hadsch, die Pilgerreise beginnt. Vom Strudel der Pilger lässt sich Burton treiben, sucht die heiligen Orte Medinas auf und erreicht völlig ausgezehrt Mekka. Wunderbares und Schreckliches gräbt sich tief in sein Gedächtnis ein. Aber auch dieser Fleck Erde kann den Rastlosen nicht halten, der längst ein neues Ziel vor Augen hat -- die Suche nach der Quelle des Nils in Ostafrika.

In drei Etappen und aus der Perspektive vieler Figuren erzählt, nähert sich Trojanow einem außergewöhnlichen Menschen. Dabei spielt er mit Fiktion und Realität, denn Der Weltensammler Burton lebte tatsächlich zwischen 1821 und 1890. Trojanow selbst hat eine Vita, die ihn von Bulgarien nach Deutschland, Kenia, Indien, Arabien bis nach Südafrika führte. In den Reisereportagen An den inneren Ufern Indiens und Zu den heiligen Quellen des Islam verarbeitete er als scharfer Beobachter eigene Erfahrungen. Kein Wunder also, dass Der Weltensammler ein so gelungener historischer Roman geworden ist. --Fenja Wambold


Customer Reviews:
Ein erzählerisches Meisterwerk
Ilija Trojanow ist mit diesem sprachlich brillanten Portrait eines besessenen Weltenbummlers zu Recht ein Bestseller gelungen.
In prächtigen, atmosphärischen Bildern, gekoppelt mit einem Feuerwerk aus wunderschönen Vergleichen und Metaphern, werden in drei Abschnitten die wichtigsten (geografischen) Stationen des britischen Abenteurers, Übersetzers und Entdeckers Richard Francis Burton erzählt.
Herausragend das schreiberische Handwerk Trojanows, der jeden Abschnitt seiner Geschichte aus zwei Perspektiven darstellt. Einerseits aus der Sicht Burtons, im Präsens, andererseits, im Rückblick, aus der Wahrnehmung seiner früheren Gefährten. Im ersten Erzählteil, dem indischen, ist es sein Diener, der sich einem Schreiber mitteilt. Im zweiten Teil sind es (abwechselnd) Begleiter auf seiner Hadj nach Mekka, im dritten und letzten Abschnitt, der Expedition zu den unbekannten Nilquellen, ist es ein indischer Karawanenführer, der über seinen Freund berichtet.
Faszinierend erschien mir die Dialogtechnik des Autors, der in diesem 500seitigen Werk ohne jede Sprecherzuweisung auskommt.
Das Buch ist mitreißend geschrieben, es gibt tiefe Einblicke in Land und Leute, ihre Sitten und Gebräuche. Man schmeckt die indischen Currys, riecht den Gestank der Gosse in Bombay, hört das Gebrüll der Kamele Arabiens, vernimmt die Gebete der Gläubigen in Mekka und ist verzückt von den wunderschönen Landschaftsbeschreibungen dreier Kontinente. Ein Buch, vielmehr ein Werk, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

Inhalt:

Sir Richard Francis Burton ist Abenteurer und Weltensammler im wahrsten Sinne des Wortes. Als britischer Offizier (Spion?) verbringt er sieben Jahre im Indien des ausgehenden 19. Jahrhunderts, vorwiegend im Sindh, dem heutigen pakistanisch-indischen Grenzgebiet. Schon bald wird er der Spionage für das britische Empire beschuldigt, es gibt Verhöre, ohne jemals angeklagt zu werden, verlaufen alle Untersuchungen im Sand. Mit seinem unstillbaren Interesse an Volk und Sitte erlernt er in dieser Zeit nahezu alle wichtigen indischen Sprachen und Dialekte. Darunter Gujarati, Hindustani, Sindhi, Marathi und fast nebenher auch Persisch. Bereits in jungen Jahren hat er sich Lateinisch, Französisch, Italienisch und Roma angeeignet, später, während seiner Zeit in Ägypten kommen Arabisch, Suaheli und einige afrikanische Dialekte hinzu. Seine verschollenen Tagebücher sind ständiger Begleiter, alles scheint für ihn von Interesse zu sein, täglich notiert er Eindrücke und Erlebnisse, ergänzt sie mit Skizzen und Zeichnungen. Als erster Europäer übersetzt er Das Kama Sutra" ins Englische, ebenso die arabischen Geschichten aus Tausend und einer Nacht."
Aber Burton ist nicht nur ein Sprachengenie. Er liebt es, sich in landesüblicher Kleidung, vollbärtig, das Gesicht dunkel gefärbt, unter die Einheimischen zu mischen, um ihre Sitten und Gebräuche aus nächster Nähe zu studieren. Er beschäftigt sich intensiv mit Glaubensfragen, konvertiert? zum Islam und lässt sich beschneiden. So unternimmt er, als moslemischer Pilger verkleidet, eine Hadj über Medina nach Mekka, heute wie damals für Ungläubige strengstens verboten. Er gibt sich während der Pilgerreise als Perser mit indischen Wurzeln aus, so perfekt ist seine Tarnung, dass nicht einmal seine engsten Gefährten Zweifel an seiner Glaubensausrichtung hegen. Erneut gerät er unter Spionageverdacht, seine Reisebegleiter werden von den Behörden ausgefragt, die Untersuchung bleibt ohne weitere Konsequenzen für ihn.
Wieder einige Jahre später unternimmt er gemeinsam mit dem britischen Geografen John Henning Speke, eine Expedition zu den noch unentdeckten Quellen des Nils. Die beiden trotzen unsagbaren Entbehrungen, Krankheiten wie Malaria und schwere Augeninfektionen werfen sie nieder, dennoch gelangen sie an den damals noch unentdeckten Tanganjikasee, den Burton irrigerweise für die Nilquelle hält. Die beiden entzweien sich auf dieser Reise, es kommt zu Hasstiraden seitens Speke, lebenslange Spannungen sind die Folge. An einer zweiten Expedition nimmt der Empire-Kritiker Burton nicht mehr teil, seine Regierung hat John Speke den Vorzug gegeben, entspricht er doch eher dem Idealbild des Vorzeigeentdeckers.
Burton beschließt seinen Lebensabend als britischer Konsul in Triest, er stirbt im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Trotz lebenslanger Suche nach der Wahrheit, vermutlich als Agnostiker. Auf dringenden Wunsch seiner Gattin erhält der Bewusstlose in seiner Todesstunde die christlichen Sterbesakramente. Der Priester sträubt sich instinktiv, muss aber den Anordnungen seines Bischofs gehorchen.
Über dem Totenbett des Weltensammlers hängt eine gestickte Kalligrafie. In persischer Schrift steht darauf: "Auch das wird vergehen!"

Nur schwer folgen...
...konnte ich der Geschichte von Ilja Trojanow. Und das, obwohl ich ein ausgewiesener Fan der Geo Hörwelten bin. Trojanow schildert uns das Leben des Sir Richard Francis Burton, der in der Mitte des 19.Jahrhunderts Indien und Afrika bereiste. Statt sich dem Miltärdienst voll und ganz zu widmen, interessiert sich Burton vor allem für die Menschen und Bräuche der Länder, die er bereist. Er will nicht nur wissen, was dort geschieht, er will sich in die Kulturen und Bräuche assimilieren; so schwer vorstellbar dies für die Einheimischen dort ist. In einer teilweise verbürgten, teilweise fiktiven Geschichte lässt Burtons Diener das Leben des Francis Richard Burton vor uns ablaufen. Ein Leben, das sich überhaupt nicht mit den kolonialen Gegebenheiten dieser Zeit in Einklang bringen lässt. Burton treibt durch Länder und Kulturen, wie ein ewig lernender, wissbegieriger Student.

Frank Arnold als Vorleser ist bei diesem Hörbuch über jeden Zweifel erhaben. Er liest präzise, betont wunderbar, passt sich den Figuren an, ist klar und sauber in der Aussprache. Ein echter Genuss. Aber zu einem gelungenen Hörbucherlebnis gehört nicht nur der Vorleser, da ist auch noch die Geschichte. Wer ausufernde Formulierungen, nicht enden wollende Beschreibungen von Gefühlen, Plätzen und Abläufen liebt, der ist bei Trojanow richtig. Wer sich an Längen nicht stört, die einen mit fabulierenden Wortschätzen begeistern, aber wenig Handlung beeinhalten, kann sich am Werk des Autors sicher erfreuen. Bei mir war das leider nicht der Fall. Zu langgezogen, teilweise zäh, handlungslos und wiederholdend machten Trojanows Schilderungen der Geschichte es mir schwer mit dem Ohr am Stoff zu bleiben. Es entstand keine Neugier auf mehr, kein Verlangen, wissen zu wollen, wie das Buch zu Ende geht. Schade, wie gesagt, andere Hörer werden das vermutlich anders empfinden, aber ich konnte zum Weltensammler keinen Zugang finden und musste mich mehr oder weniger durch das Hörbuch quälen. Den Namen Frank Arnold, den habe ich mir allerdings gemerkt.

Schwer zu bewerten
Ich teile das uneinschränkte Lob meine Vorredner nicht ganz. Über jeden Zweifel erhaben ist Frank Arnold als Leser des Hörbuchs. Mir fehlen die Worte, meine Begeisterung über seine überragende Leistuns auszudrücken. Alleine wegen ihm lohnt es sich schon das Hörbuch zu hören.
Das Buch an sich ist schwer zu beurteilen. Die sprachliche Mittel ziehen den Hörer in ihren Bann. Sobald man sich der Geschichte verbunden fühlt, wird man durch den Wechsel der Erzählperspektive wieder weggestoßen. Der dauernde Wechsel der Erzählperspektive und die überwiegende Benutzung eines subjektiven Erzählstils sind das Auffälligste an dem Roman. Häufig lässt Trojanow die Geschichte aus dem Blickwinkel von Dritten erzählen, wie z.B. einem Diener von Burton. Der allwissende objektive Erzählstil ist eher die Ausnahme. Beim Hörer bleibt dadurch immer eine Restunsicherheit über das tatsächliche Geschehen.
Beim ersten Hören verwirrten mich die eigesetzten und bereits skizzierten Stilmittel doch etwas. Das zweite Hören war ein Genuss.
Ich möchte Interessenten nur vor einem warnen: Das Buch ist keine leichte Lektüre, wie es Abenteuerromane häufig sind. Man muss sich mit dem Buch schon intensiv auseinandersetzen, um es genießen zu können.
Eine Bewertung sollte sich auch oder vielleicht sogar ausschließlich danach richten, wie empfehlenswert ein (Hör-)Buch ist. Dieses Buch empfehle ich jedem, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass nicht jeder für diese Empfehlung dankbar sein wird. Deshalb vergebe ich 'nur' vier Sterne.

Individuelles Reisen im 19. Jahrhundert
Grundlage dieses Romans ist das abenteuerliche Leben des britischen Offiziers Sir Richard Francis Burton (1821-1890), der im 19. Jahrhundert Nordindien, Arabien und Ostafrika intensiv bereiste. Um die Bräuche der verschiedenen Völker zu studieren, lernte er deren Sprachen, um nach Mekka reisen zu können, wurde er Mohammedaner. Er spionierte die fremden Völker aus, während er versuchte sie zu verstehen, und gab sein pedantisch gesammeltes Wissen an die >Ostindische Kompanie< weiter, DEM Handelsriesen jener Zeit.
Ilija Trojanow beschreibt die verschiedenen Regionen und ihre Menschen im 19. Jahrhundert sehr intensiv und farbenfroh. Er weiß wovon er spricht, denn sein Lebenslauf ist ähnlich Facettenreich wie der seines Protagonisten. Bis weit über die Mitte des Romans hinaus ist seine Prosa durch die schön gemalten Bilder und die ungewöhnlichen Metaphern sehr reizvoll und erinnert in seiner Verschlungenheit an Cruegers >Experten<. Sie ist den exotischen Schauplätzen durchaus angemessen und das Buch macht Spaß allein schon wegen dieser Sprache.
Im Kladdentext lobt die >taz< den raffinierten Aufbau des Romans. Dem kann ich mich nur bedingt anschließen. Der auktoriale Erzählstrang wird immer wieder von ich-Erzählern durchbrochen: In Indien von einem Diener, in Arabien von einem türkischen Geheimpolizisten und auf der Afrikareise wieder von einem Diener. Ich habe nicht immer verstanden, warum plötzlich der afrikanische Diener die Geschichte weitererzählt, und es machte mir den dritten Teil des Buches mühsam zu lesen. Das die Beschreibung der Afrika-Reise mich stark an Kehlmanns Vermessung der Welt erinnert hat, lag vielleicht an der Ähnlichkeit der Tropenkrankheiten. Insgesamt ist Der Weltensammler ein interessantes Buch und eine sinnvolle, ästhetische abendliche Alternative zu Dieter Bohlen und Konsorten.

Wie aus 1001 Nacht
An diesem Hörbuch - wie fast allen aus der Reihe "Weit draußen" der GEO-Hörwelten - stimmt alles: Thema, Spannung und Vorleser.

Auch wenn Ilija Trojanow in diesem (Hör-) Buch eigentlich drei Bücher verpackt hat: Richard Francis Burton in Indien, in Mekka und auf der Suche nach den Quellen des Nils. Die Übergänge zwischen diesen drei Welten sind - zumindest im gekürzten Hörbuch - krass.

Frank Arnold ist der kongeniale Vorleser dieses Hörbuchs, das ansonsten nur durch wenige sphärische Klänge von Klangschalen usw. dramaturgisch exotisch inszeniert wird. Arnold hat ein schier unglaubliches Stimmspektrum, das es ihm erlaubt, in Bruchteilen von Sekunden auch stimmlich in die Rolle einer anderen handelnden Person zu schlüpfen.

Und genau das ist eben der Unterschied zwischen ausgebildeten Stimmen (Arnold ist "gelernter" Schauspieler) und Menschen, die von sich meinen, vorlesen zu können bzw. Verlage die diesem Glauben aufsitzen.

Fazit: Ein großartiger Abenteuer- und Hörgenuss auf 6 CDs, der sofort Lust auf Mehr macht!


Listmania Lists:
Bücher auf der "Unbedingt Lesen Liste"
ziemlich gut!
Tolle Tipps zum Verschenken
Meine Lieblingsbücher

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