Wunderbarer Denkanstoß! ![]()
Auch wenn sich der Titel zunächst etwas reißerisch anhört, vermittelt das Buch auf 190 Seiten eine großartige Botschaft: Besinne dich auf das, was im Leben wichtig ist, wobei der Autor nicht so anmassend ist, dem Leser etwa vorschreiben zu wollen, was er im Leben für wichtig zu halten hat, wohl aber darauf hinweist, dass vieles von dem, für was man sich manchmal das ganze Leben lang abhetzt, von außen, durch Dritte,wie etwa Chefs, Kollegen, Familienmitglieder, Freunde oder Leute, die mit Schönheits- und sonstigen Idealen hausieren gehen etc, also Menschen die zunächst und vor allem auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, an uns herangetragen wird. Wer sich das bewusst macht und seine Konsequenzen daraus zieht, dürfte einen großen Schritt weiter sein und dafür liefert Kirschners Buch, wie ich finde, einen wunderbaren Denkanstoß)!
Praktische Lebenshilfe ![]()
Mir hat das Buch geholfen, selbstbewusster zu werden, auch mal "nein" zu sagen und mich aktiver für meine Ziele und Wünsche einzusetzen. Es macht Mut, seine Hauptaussage ist: "Pass dich nicht an, sei du selbst und handle (in erster Linie) nach deinen eigenen Interessen!" Man könnte denken, damit sei ein völlig rücksichtsloser und ausbeutender Egoismus gemeint, aber das ist weit von der Perspektive des Autors entfernt. Kirschner rät zu einer Art epikureischem, aufgeklärten Hedonismus, wobei es darum geht, sich selbst nicht ständig ausnutzen zu lassen und sich nicht zu abhängig von anderen Menschen und ihren Interessen zu machen, sondern darum, das Glück für sich und andere dadurch zu maximieren, dass man selbst mit sich und der Welt im Reinen ist. Andere Menschen von sich abhängig zu machen wird nicht empfohlen, dafür eine gute Selbstverwirklichung und Selbstorganisation. Altruismus kann und soll weiterhin stattfinden, aber nur in dem Ausmaß, dass man selbst darunter nicht unzumutbar leiden muss, was viele Menschen (laut Kirschner besonders Frauen) nicht ganz zu begreifen scheinen. Einen Stern Abzug gibt es für Kirschners zum Teil arg klischeebehaftetes Gesellschaftsbild (siehe Rezension von cathy earnshaw).
Mir hat's geholfen ![]()
Als ich das Buch vor rund 10 Jahren zum ersten Mal gelesen habe, war es eines der ersten Selbsthilfe-Ratgeber, die ich in die Finger bekam. Es wirkt heute - viele Ratgeber später - etwas altmodisch auf mich. Aber ich liebe das Buch, weil es mir geholfen hat, mich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Es hat mir einfach die Augen dafür geöffnet, was es heißt, für sich selber Verantwortung zu übernehmen.
Dafür bekommt es fünf Sterne. Ja, Kirschner wirkt etwas verschroben und ungeschickt in seinen Äußerungen. Aber vielleicht es geht ja darum, sich das herauszupicken, was man gerade braucht.
Ist wahrscheinlich eher etwas für ältere Semester als für ganz junge Leute.
Überspitzt argumentierte Selbsthilfe-Anregungen, die gesellschaftlich überholt sind ![]()
Bewundernswert sind auf jeden Fall die Ziele dieses Buches: Die Leser anzuregen, selbstbewusster zu leben, sich glücklich zu verwirklichen, und aus ihrem besseren Selbstverständnis ihre Mitmenschen besser zu verstehen. Die meisten Josef Kirschners Anregungen erscheinen in erster Linie erstrebenswert, z.B. "Mehr in uns selbst hineinzuhorchen, als auf das zu hören, was andere uns einreden möchten." Er ermutigt die Leser, von dem Leistungskarussell abzusteigen, indem sie "die eigenen Fähigkeiten nach der Befriedigung beurteilen, die sie einem bei voller Entfaltung bringen könnten, statt in welchem Maße sie von anderen anerkannt werden." Dabei kann man eine persönliche Revolution ankurbeln: "Meine persönliche Freiheit beginnt bei mir selbst" schreibt er als Mantra.
Jedoch geht er auf die potentiellen Nachteile ichbezogeneren Verhaltens nicht ein. Zum Beispiel: Wie verhält man sich "egoistischer" ohne dabei asoziale Verhaltensweisen und eine exzessive Abwehr gegen die Gefühle anderer zu entwickeln? Sein eigener Umgang mit einer selbstmordgefährdeten Nachbarin, deren Mann sie verlassen hatte, verspricht nicht Gutes: Erst rügt er seine eigene Frau, weil sie sich auf das "Jammern" ihrer Nachbarin einlässt, als Nächstes teilt er der Nachbarin mit, dass er ihre Drohung nicht ernst nehmen könne, und da sie nicht aufhört, lässt er sie in die "Irrenanstalt" (sein Wort) einweisen und verliert sie prompt aus dem Auge! Stolz berichtet er: "Der Verzicht auf den Ruf eines seelenguten Menschen war mir weniger wichtig als die Verteidigung unseres Reviers"!
Gespickt ist sein Buch außerdem mit frauenfeindlichen Vorurteilen. Süffisant bemerkt er, dass frustrierte und gelangweilte Ehefrauen "im Grunde genommen nur darauf warten, dass ihre Ehe endgültig in die Brüche geht". Höhnischer ist seine Darstellung von "einer Gruppe trauernder Witwen", die er in den Kasinos Las Vegas beobachtete: Mit "blaugefärbtem Haar", "grellfarbenen kurzen Kleidern" und "dick bemalten Gesichtern" verspielten sie das Geld ihrer Ehemänner, die "sich zu Tode gerackert haben"! Schuldig seien die Frauen nicht nur an deren angeblichen Ersatzbefriedigungsverhalten (, das sei "von Müttern auf ihre Töchter übertragen", schreibt er), sondern auch am unmenschlichen Leistungsdruck, worunter ihre vom Pech geplagten Ehemänner litten und starben! Zum Schluss rät er auch Feministinnen (das Buch erschien im Jahr 1976, während der Frauenbewegung), ihre Ehen nicht zu vernachlässigen!
Dreißig Jahre später erscheinen seine Thesen etwas rückschrittlich. Wir leben inzwischen in sehr egoistischen Gesellschaften (insbesondere diejenigen in den USA und Großbritannien) und derartige Ermutigungen, sich noch egoistischer und eigennütziger zu verhalten, wirken heutzutage eher etwas unüberlegt und gesellschaftsunkritisch.
Mein Fazit: Ein einst anregendes und provokantes Selbsthilfebuch, das inzwischen von gesellschaftlichen Entwicklungen überholt und leider mit einer veralteten Konzeption der Geschlechterrollen besudelt ist.

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