Bei den Sponits nichts neues ![]()
Vorneweg: Der Autor ist Publizist; also kann er schreiben. Und recherchieren kann er auch. Was er nicht kann, ist dem Leser nachvollziehbar zu erklären, warum seine Mutter die Familie erlassen hat und warum die Großmutter Selbstmord beging.
Zur linksalternativen Szene gibt es über die Aufzählung verdienter Solinger Kommunisten hinaus nichts neues zu erfahren.
Neben schönen oder verstörenden Kindheits- und Jugenderinnerungen bleibt nur das vage Gefühl, dass die Lügengebäude in Familien aller Couleur auf dem gleichen Bauplan beruhen.
Sensationell, nur das trifft es. ![]()
Wenn ein Buch mich durch Inhalt UND Sprache zu 100% berührt, umwirft, staunen lässt, wird es mein `Jahreslieblingsbuch` und in den kommenden 12 Monaten jedem meiner geburtstagenden Freunde und Bekannten geschenkt.
2008 ist es dieses Buch. Völlig konkurrenzlos.
Besonders beeindruckt hat mich, wie viele Emotionen der Autor aus seiner Kindheit erinnert. Und wie viele Alltagsdetails ihm im Gedächtnis geblieben sind.
LESEN, LESEN, unbedingt LESEN!
Wie von einem anderen Stern - und doch nebenan. ![]()
Richard David Precht ist im selben Jahr wie ich geboren. Er wuchs in Solingen auf, das nicht weit von Krefeld, meinem Heimatort, entfernt liegt. Und doch scheint es mir, als sei er auf einem anderen Stern aufgewachsen.
Seine Eltern sind stark links orientiert, meine Eltern waren eher konservativ. Natürlich habe ich die meisten Sachen, die er beschreibt, auch mitbekommen, aber aus einem ganz anderen Blickwinkel. Und genau das hat das Buch für mich außerordentlich interessant gemacht.
Precht beschreibt das Leben in seiner Familie im beschaulichen Solingen. Der Vater arbeitet als Designer, die Mutter kümmert sich um drei eigene Kinder und zwei aus Vietnam adoptierte. Die Eltern gehören zur linken Szene und leben vollkommen anders: Die Kinder wachsen mehr oder weniger frei auf. Sie dürfen sich schmutzig machen, müssen ihre Zimmer nicht aufräumen, etc. Aber: Sie dürfen nichts "konsumieren", was irgendwie kapitalistisch ist (also keine Cola, keine Micky Mouse, nicht mal Astrid Lindgren).
Precht beschreibt dies alles außerordentlich interessant, mal humorvoll, mal nachdenklich. Er beschreibt die politischen Hintergründe so, dass sie nie langweilig werden. Der Vietnamkrieg, Terre des Hommes, die 68er Revolution und auch der Deutsche Herbst (Baader-Meinhoff) werden so erklärt, dass ich alles, was in meinem wohlbehüteten Elternhaus an mir vorüber rauschte, nachleben konnte.
Dieses Buch ist keine leichte Lektüre, ich habe oft innegehalten und nachgedacht. Und gerade deshalb kann ich es nur empfehlen.
Rundum gelungen! ![]()
Richard David Precht erzählt von seiner marxistischen Kindheit im westdeutschen Solingen. Die Eltern sind überzeugte Linke, sie adoptieren Waisenkinder aus Vietnam und träumen vom sozialistischen Einheitsstaat. Raumschiff Enterprise und Coca-Cola kommen ihnen nicht ins Haus. Dafür Frederik Vahle, Franz Josef Degenhardt und das GRIPS Theater.
In der Schule ist der Amerikaner der Freund, zu Hause ist er der Klassenfeind. Richard sitzt zwischen den Stühlen, bleibt ein Außenseiter, schwärmt für Dynamo Kiew und die DDR. Das erste Mal wird die Welt seiner Eltern vom Baader-Meinhoff-Terror erschüttert, das zweite Mal vom Mauerfall.
Der Zeitgeist der Siebziger weht durch die Seiten dieses informativen, unterhaltsamen und bewegenden Buches. Der Autor beschönigt nichts, erzählt aus kindlicher Perspektive, in einer anspruchsvollen Sprache und in hübschen Bildern. Ein wunderbarer Roman über ein Stück deutsche Vergangenheit. Absolut lesenswert!

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