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Gelugener historischer Roman ![]()
Amüsant und aufgelockert werden diese Berichte durch die kleinen Abenteuer des Chronisten. Pierre-Emanuels de Siorac ist glücklich mit seiner Ehefrau Catherine verheiratet, die ihm zwei wunderbare Kinder geschenkt hat. Doch dennoch kann er sein Auge und weiteres nicht von anderen Frauen lassen, die ihn auf seinen zahlreichen Reisen gutherzig beherbergen und ihm ein warmes Bett schenken.
„Der König ist tot“ ist der Abschluss des dreizehnteiligen Nationalepos von Robert Merle. Er beschreibt das Ende der Regentschaft von König Ludwig XIII. und den Anfang des Reichs des Sonnenkönigs. Die vielen Wirren und Intrigen der Zeit werden durch die königstreuen Augen von Pierre-Emanuels de Siorac beleuchtet und kommentiert. Doch wird nicht nur die Politik, sondern auch die kleinen Streitigkeiten und Liebeleien dieser Zeit ebenso beachtet, da der fiktive Schreiber dieser Memoiren auch kein Kostverächter ist.
Anfangs muss der Leser sich erst an die etwas altertümliche Erzählweise gewöhnen, doch danach kann er sich ungeniert den Erlebnissen widmen, die zwar geschichtsträchtig sind, aber in passende und unterhaltsame Häppchen unterteilt wurden. Sollten Fragen aufkommen und Dinge genauer erklärt werden, behilft sich Robert Merle der fiktiven Leserin, die dem Memoirenschreiber direkte Fragen stellt und der er erklärend antwortet.
„Der König ist tot“ ist ein gut gelungener historischer Roman, der sich auch ohne Lektüre der vorhergehenden Bände lesen lässt. Soweit möglich, werden die historischen Ereignisse korrekt dargestellt, durch die netten und amourösen Abenteuers des Memoirenschreibers aber entzerrt und aufgelockert.
Als Abschlußband ein Muß! ![]()
Für das Gesamtwerk muß es fünf Punkte geben, ganz klar, für den Einzelband kann es nicht mehr als drei geben, wenn man objektiv sein will. Man merkt überdeutlich, daß Robert Merle gegen Ende die Kraft verlassen hin und er mit Mühe einen einigermaßen lesbaren Abschluß der Reihe hinbekommen hat. Die Betonung muß jedoch aus "einigermaßen lesbar" liegen.
Der Abschlußband der Reihe "Fortune de France" beschreibt die Zeit zwischen der Geburt des Dauphins, des späteren Ludwig XIV. bis zum Tode Mazarins, als Ludwig XIV. die Zügel der Regierung selbst in die Hand nimmt. An sich ist das eine bewegende, interessante Zeit, in der in Frankreich und Europa erheblich mehr geschah, als Merle weniger berichtet als vielmehr andeutet. Darüberhinaus ist das Privatleben des Helden mit einer Ehefrau, die nicht nur zur Eifersucht neigt, sondern jedem gesellschaftlichen Ereignis fernzubleiben geruht, gelinde gesagt, langweilig, da helfen auch gelegentliche mit schlechtem Gewissen geschilderte und vor sich selbst gerechtfertigte Seitensprünge nichts mehr.
Natürlich sehe ich das dem Autor nach und bereue es nicht, diesen Band erworben und gelesen zu haben. Ich weiß aber auch, daß ich ihn, anders als die anderen Bände der Reihe, sicher kein zweites Mal lesen werde.
Die Geburt des Absolutismus ![]()
"Mein Freund, welch Freude und Erleichterung, dass Frieden ist. So könnt Ihr, Gott sei Dank weder getötet noch untreu werden."
(Catherine, Ehefrau des Protagonisten Piere-Emanuele de Siorac)
"Der König ist Tod" ist der unter dem französischen Originaltitel "Le Glaive et les Amours" bereits 2003 erschienene, letzte Teil des 13-teiligen französischen Nationalepos "Fortune de France", das mit der Veröffentlichung des gleichnamigen ersten Bandes im Jahre 1977 seinen Auftakt genommen hatte. Als siebter Teil der Memoiren Pierre-Emanuels de Siorac schließt er mit der Versöhnung König Ludwigs XIII. und seines Bruders Gaston in St. Germain (Oktober 1634) unmittelbar an den vorangegangenen Teil "Die Rache der Königin" an.
Mit 272 Seiten ist das Finale des Romanzyklus zwar erheblich kürzer geraten als jedes der vorangegangenen Bücher (die im Durchschnitt 453 Seiten vorweisen), gleichzeitig behandelt es jedoch gegenüber den anderen Einzelepisoden den längsten Zeitraum. (27 Jahre).
Der vom Aufbau-Verlag gewählte Titel fokussiert den Roman auf das Ableben Ludwigs XIII. am 14.05.1643. (Seite 176) und kann dadurch seinem Inhalt kaum gerecht werden. Denn "Schwert und Liebschaften" haben weitaus mehr zu bieten. Besonders die Politik des, ein halbes Jahr vor dem König verstorbenen, Prinzipalministers, Kardinal Richelieu, der Frankreich an der Seite protestantischer Fürsten gegen die katholischen Habsburger in den 30jährigen Krieg eintreten ließ. Mit der politischen Ausschaltung des Hochadels, der Emanzipation und Integration der Protestanten, einer Armeereform und dem Aufbau einer Flotte, der Gründung der Académie française, sowie der Einführung eines neuen Steuersystems schufen Richelieu und Ludwig XIII. gemeinsam (!) die Grundlagen für eine französische Großmacht. Gleichzeitig waren sie die Wegbereiter des "Absolutismus", der in Ludwig Dieudonné seine strahlendste Personifikation erhalten sollte.....
....der zunächst nach dem Tod seines Vaters als 4jähriger noch unter der Vormund- und Regentschaft seiner Mutter Anna von Österreich und Kardinal Jules Mazarins (deren Verhältnis im Roman äußerst diskret behandelt wird!) stand. Westfälischer Friede und Aufstand der Fronde (1648), Pyrenäenfrieden (1659) sind weitere bedeutende historische Ereignisse, ehe der im März 1661 zweiundzwanzigjährige Ludwig XIV. wenige Tage nach dem Tode Mazarins verkündet, dass er fortan seinen Staat selbst regieren wird....
Wie in den vorangegangenen Bänden tritt der 1592 geborenen Protagonist als ein "über der Zeit stehender Chronist" in einen Dialog mit einer (imaginären) schönen Leserin der Gegenwart, die er charmanterweise für zu jung erklärt, um die Barrikadenkämpfe der Studenten im Jahre 1968 (!) miterlebt haben (S. 209). Dieses Stilmittel ermöglicht Abweichungen von einer strengen Chronologie durch nachträgliches Einflechten oder den Ausblick auf kommende Ereignisse. Z. B. der Verkauf der Stadt Dünkirchens an Frankreich, der erst anderthalb Jahre nach dem Ende des Romans (17.10.1662) stattfand. Der auch im fortgeschrittenen Alter dem "gentil sesso" keinesfalls abgeneigte Piere-Emanuele de Siorac macht neben zahlreichen Affären auf seinen Missionen u. a. Bekanntschaft mit dem Condottiere Herzog Bernhard von Weimar und dem Lordprotektor Oliver Cromwell.
Robert Merle (1908-2004) ist auch mit dem letzten Teil seines Epos "Fortune de France" ein Roman gelungen, der aufgrund seiner Präzision das Prädikat "historisch" vollauf verdient. Der mit dem "Grand Prix Jean Giono 2003" ausgezeichnete abschließende Band des einzigartigen,
116 Jahre überspannenden Zyklus ist nicht nur sehr empfehlenswert, sondern geradezu eine Pflichtlektüre für jeden Leser, der an europäischer Geschichte interessiert ist. 5 Amazonsterne.
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