tolles Buch ![]()
Ich kann mich nur den anderen Rezensionen anschließen. Ich habe meinen Sohn vor 2 Monaten mit 21 Jahren durch einen Unfall verloren. Dieses Buch ist wirklich sehr hilfreich, weil ich mich von meinem Sohn nicht verabschieden will und ich will ihn auch nicht loslassen. Man lebt auf einer anderen Art und Weise mit ihm weiter. Ich bin weder religiös noch esoterisch veranlagt. Die Trauer und Verzweifelung wird immer bleiben, aber man kann damit umgehen lernen. Wir sind gerade noch am Anfang eines langen Weges.
nicht loslassen... ![]()
... ist das was ich will!
Endlich habe ich die für mich richtige Lektüre gefunden, mit meiner Trauer umzugehen. Roland Kachler spricht in bemerkenswert offener Weise über seine eigenen Erfahrungen und das hilft mir in meiner eigenen Trauerarbeit sehr!
Wir kann ich das Wesen, das mein Herz im Sturm erobert hat loslassen? Unvorstellbar!
Mit diesem Buch ist mein Mann (der heute vor genau 3 Wochen mit erst 40 Jahren seinen Kampf gegen den Krebs verloren hat) mir so nah, als wäre er nie von mir gegangen! Eine wirkliche Hilfe und ich kann dieses Werk von Herzem jedem empfehlen!
Bestärkung ![]()
~ NICHT LOSLASSEN, SONDERN DIE LIEBE BEWAHREN ~
Es gibt Dinge, über die spricht man nicht. Paradebeispiel: der Tod. Da werden unangenehme Gefühle geweckt, die man nicht zulassen möchte. Die man lieber aus seinem Alltag aussperrt. Schnell das Thema wechseln - oder noch besser - die Straßenseite, sobald ein Trauernder in Sichtweite erscheint. Kein Sterbenswort ...
Von den Hinterbliebenen wird erwartet, möglichst schnell 'zur Tagesordnung' überzugehen. Selbst Ärzte agieren meist hilflos. Betäuben (medikamentös). Abhaken. Ausblenden.
So die gängige Strategie.
Jeder, der nicht betroffen ist, weiß selbstredend genau, wie man eine solche Krise meistert. Stärke beweist. Nach vorne schaut.
"Kopf hoch!", "Die Zeit heilt alle Wunden ...", "Das Leben muss weitergehen.", "Ihr dürft Euch nicht hängen lassen!" ...
Die Reaktionen gehen von Ignoranz, über sinnlose und banale Phrasen bis hin zu den irrwitzigsten Kommentaren und Vergleichen mit (oder ohne) Gott und der Welt.
Jeder meint es natürlich 'nur gut'. Aber reicht das? Ist es zuviel verlangt, sich nach etwas Feingespür, Takt und Verständnis zu sehnen?
Mehr und mehr fühlt man sich als Familie isoliert. Mitsamt des Toten ausgegrenzt von der funktionierenden Gesellschaft, für die 'alles normal weiterläuft'.
Die Trauer ist ein individueller Prozess. Jeder sollte auf seine eigenen Bedürfnisse hören und dem Herzen folgen. Dazu ermutigt der Autor in seinem Werk.
Viele Jahre berief sich auch Roland Kachler beim Umgang mit Angehörigen auf allgemeine Fachliteratur. Er stellte dabei zwar immer wieder fest, dass seine Klienten nicht wirklich bereit waren, diese Empfehlungen und Ratschläge anzunehmen, bloß lösen konnte er sich davon nicht. Es war schließlich die Lehrmeinung der Experten.
Als sein eigener Sohn im Alter von 16 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, änderte sich seine Haltung schlagartig. Plötzlich wurde ihm klar, dass Trauerbewältigung durch 'Loslassen' nicht mehr ist, als ein Davonlaufen von der Wirklichkeit. Wenn man versucht, Schmerz zu unterdrücken, ihn im Keim zu ersticken, dann wird er ewig unter der Oberfläche brodeln. Je intensiver die Beziehung war, desto mehr wird sich die Seele dagegen sträuben. Es wird als Bedrohung empfunden, in die Zukunft zu blicken. Was sind es schon für Aussichten, ohne den 'verlorenen' Menschen?
Gerade bei Unglücksfällen 'aus heiterem Himmel', bei denen junge Menschen von uns gerissen werden ... In solchen Fällen werden zwar die Tage verstreichen, aber die Narben bleiben. Wer das nicht anerkennt, der kann kein wahres Mitgefühl entgegenbringen.
Als mein 23-jähriger Bruder am 30. September 2007 tödlich verunglückt ist, blieb die Welt für mich stehen. Ich wollte gar nicht, dass sie sich weiterdreht. Niemals könnte ich ihn freigeben. Er wird mich für immer begleiten. Die Überbringung der Nachricht durch meine Eltern, der Anblick des Autowrackes, das Berühren seines eiskalten Gesichtes im Sarg ...
Roland Kachler plädiert dringend dafür, auch traumatisierende Bilder in der Erinnerung zu behalten und sie nicht zu verdrängen. Nicht tabuisieren oder 'loslassen' - sondern die Liebe bewahren.
Noch ist es unendlich schwer, die Beziehung (fernab des irdischen Daseins) neu zu definieren. Aber für mich gibt es keine Alternative.
Ganz bewusst haben wir folgenden Spruch in der Anzeige und für den Grabstein gewählt:
"Wenn ihr mich sucht,
sucht mich in euren Herzen.
Habe ich dort eine Bleibe gefunden,
werde ich immer bei euch sein."
~ Rainer Maria Rilke ~
Ich habe mich instinktiv für diesen Umgang mit Johannes entschieden, versuche ihn einzubinden, mit ihm zu kommunizieren, über ihn zu reden. Bereits vor der Lektüre.
'Meine Trauer wird dich finden' wird diejenigen bestärken, die bislang in ihrem Schicksal allein gelassen und missverstanden wurden.
Ein fundamentaler Wegweiser durch die Trauer ![]()
Um diese Rezension schreiben zu können (meine Erste), habe ich mir extra ein neues Passwort geben lassen, was ich für ein weniger beeindruckendes Buch wohl nicht getan hätte. Hier redet kein Außenstehender von oben herab über Dinge, die er selbst nicht kennt. Mit einer Reihe von Kontakt-Übungen zum Verstorbenen schafft es Roland Kachler, die trauernde Seele zu trösten. Der Hinterbliebene wird nicht als "Problemfall" behandelt, wie Therapeuten es häufig tun, sondern in seinem Verlangen nach Nähe zum Gestorbenen ernst genommen und äußerst konstruktiv begleitet.
Auch ich habe jede Menge Literatur zum Thema gelesen, nachdem meine völlig gesunde Zwillingsschwester mit 23 Jahren von einem Betrunkenen tot gefahren wurde (sie fuhr Rad und wich seinem von hinten kommenden Auto noch aus). Als ähnlich positiv wie dieses Buch habe ich nur noch "Unwiederbringlich - Vom Sinn der Trauer" von Matthias Schnegg und Monika Müller erfahren. Aber auch deren Ratgeber lädt eher ein zur "Akzeptanz der Realität", eine Realität, die der zurück gebliebene, schockierte Verwandte häufig nicht hinnehmen will und KANN. "Meine Trauer wird Dich finden" hingegen nimmt den Verstorbenen buchstäblich in den Alltag der Hinterbliebenen hinein und ermöglicht es auf diese Weise, den endgültig Verlorenen auf subtile Weise neu in das eigene Leben zu integrieren. Ein unersetzliches Buch, menschlich und warmherzig, das es unaufdringlich schafft, das Herz des Trauernden zu erreichen, ja zu heilen.
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