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Die Wohlgesinnten

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Die Wohlgesinnten by Jonathan Littell Preis: EUR 36,00
Released: 2008-02-23

Durchschnittliche Kundenbewertung:


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Aus der Amazon.de-Redaktion
Seit Goldhagens Hitlers willige Vollstrecker hat kein Buch, das sich mit dem Holocaust beschäftigt, für so viel Aufsehen gesorgt wie Jonathan Littells Die Wohlgesinnten. Hymnischer Beifall begleiten das Erscheinen des Werks in Deutschland ebenso wie vernichtende Fundamentalkritik.

Weswegen sich die Gemüter so erhitzen? Littell verfasst diesen Roman über den deutschen Vernichtungsfeldzug in Osteuropa aus der Sicht eines Täters. Es ist der zynische Jurist Dr. Max Aue, der als Mitglied des Sicherheitsdienstes und SS-Offizier unmittelbar an den schlimmsten Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt ist. Zudem verwebt Littell in seinem ersten Roman aufs Engste Fakten und Fiktion. Die einen erheben ihn dafür zum künftigen Träger der kollektiven Erinnerung an den Holocaust, die anderen werfen ihm eine irrwitzige Geschichtsfälschung, ja eine Glorifizierung des Nationalsozialismus vor.

"Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist." So beginnt der Prolog ("Toccata") des Autors, der zugleich den Anspruch des Werkes definiert - bereits mit diesem ersten Satz hat sich Littell den Vorwurf der Hybris strenger Kritiker eingehandelt hat. "Es", so rechnet der Erzähler vor, das sind 18.722 Tote, die von Juni 1941 bis Mai 1945 Tag für Tag starben - jede 4,6 Sekunden ein Toter: "eine gute Meditationsübung". Als "Erinnerungsfabrik" bezeichnet sich der Erzähler selbst, und man ist geneigt, ihm Recht geben, angesichts der fast 1.400 folgenden Seiten. Er beteuert, dass die Aufzeichnungen "frei von jeglicher Reue sein werden...Ich habe meine Arbeit getan, mehr nicht" - ein zweiter Schlag in die Magengrube einiger Kritiker, versprach doch der Autor im Prolog gerade die Aufdeckung der Motive der Henker.

Littell breitet das beeindruckende, vor allem aber verstörende, streckenweise pornografische Panorama eines Krieges aus, der in knapp sechs Jahres Osteuropa fast vollständig zerstörte. Erzählt von einem klassisch gebildeten Offizier, der trotz aller humanistischen Wurzeln zum Mörder wurde. Einfache Unterscheidungen zwischen Gut und Böse gibt es nicht. So lesen wir neben den NS-Verbrechen auch von den Massenerschießungen durch das sowjetische Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD), von Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung durch Ukrainer, von psychotischen Wehrmachtsoffizieren. Akribisch flicht Littell die organisatorischen Strukturen von Wehrmacht, Reichssicherheitshauptamt, KZ-Lagerverwaltungen, Befehlsketten der SS und vieles mehr in sein Epos ein. Allein diese umfassende Darstellung in einem literarischen Werk ist einzigartig.

"...ihr seid nicht besser", deklamiert schließlich der frühere SS-Offizier und spätere Spitzen-Fabrikant. Dieses Fazit, das der Autor seinem Erzähler in den Mund legt, bleibt unbefriedigend. Zwar kann der Leser das Ergebnis einer außerordentlichen Fleißarbeit über Verlauf und organisatorischen Unterbau des Ostfeldzuges im Detail nachlesen. Warum sich aber der Bildungsbürger Dr. Max Aue so leicht zu einem effizienten Rad im Getriebe der Vernichtungsmaschinerie wandeln konnte, bleibt letztlich unklar. Ob das Buch also, wie Jorge Semprún voraussagt, in 50 Jahren maßgeblich die Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust prägen wird, muss sich erst noch erweisen. -- Henrik Flor, Literaturtest


Customer Reviews:
Genialisch!
Was für ein Brocken! Was für ein Werk! An Kühnheit kaum zu überbieten. An Komplexität und Vielschichtigkeit beeindruckend. Ein 1400-Seiten Roman über das anspruchsvolle Thema des 2. Weltkriegs und des Holocaust. Erzählt ausgerechnet aus der Perspektive eines SS-Offiziers. Geschrieben von einem jungen französischen Juden. Obendrein ein Debütroman. Man muss schon einige Superlative versammeln, um den Roman "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell zu beschreiben. Allein schon beim Durchblättern mag man in die Knie gehen: 1400 eng bedruckte Seiten im Blocksatz. Nirgendwo die Spur eines auflockernden Dialoges mit zerfransten Zeilenenden. Stattdessen eine Flut von völlig identisch aussehenden Seiten, im Anhang ein 30-Seitiger Glossar mit den Fachtermini der Deutschen Wehrmacht und eine Konkordanz der Dienstgrade der SS, der Wehrmacht und der Polizei. Nimmt man noch das Inhaltsverzeichnis hinzu, ausschließlich bestehend aus Bezeichnungen der Musik und des Tanzes wie "Courante" und "Sarabande", weiß man: dieser Mann meint es ernst.
Da werden die Literaturwissenschaftler einiges zu bearbeiten haben, wenn erst einmal das empörte Geblöck des Feuilletons verstummt ist. Denn einen Vorwurf kann man Littell sicher nicht machen: dass er es sich leicht gemacht habe und dass er bloß provozieren wolle. Oder dass er gar politisch verdächtig wäre. Dazu ist dieses Riesenwerk viel zu komplex und viel zu genau.
Denn es geht ja nicht darum - wie manche Kritiker gerne glauben machen wollen - dass mit der Erzählung der Judenvernichtung aus der Perspektive eines SS-Manns letzte Tabus fallen sollen. Der erzähltheoretische Rahmen und die ganze Anlage des Werks ist so vielschichtig, dass jeder kurzgeschlossener Moralismus ins Leere läuft.
Dies fängt natürlich bereits bei der Titelgebung "Die Wohlgesinnten" an, die mit dem Verweis auf den griechischen Mythos der Orestie einen ganzen Kosmos der Auslegung aufschlägt. Die Wohlgesinnten sind bei Aischylos die endlich besänftigten, schrecklichen Schicksalsgöttinen Erinnyen, die nach der Verurteilung des Orest ins Freundliche gewandelt sind. Orest ist im Mythos schuldig des Muttermordes. Und auch Obersturmbannführer Aue erschlägt in der Mitte des Romans Mutter und Stiefvater. Aue unterhält aber zudem noch ein inzestuöses Verhältnis zu seiner Zwillingsschwester, die, wie könnte es anders sein, Una heißt, was für 'Eins' oder 'Vereinigung' stehen mag. Mit dem Muttermord, bzw. dem stellvertretenden Vatermord und dem Inzest verknüpft Littell seinen Roman mit dem mythologischen Kern der abendländischen Überlieferung.
Das Spiel der Spiegelungen und Vereinigungen geht aber noch weiter: Bei dem Besuch bei den Eltern, in dessen Folge Aue sie ermordet, entdeckt er zwei bei ihnen lebende Kinder, Zwillinge. Aue ist von diesen Zwillingen, die er nicht zuordnen kann, höchst irritiert, bis zum Ende des Romans eine dumpfe Ahnung Gewissheit wird: es handelt sich um seine eigenen Kinder, inzestuös gezeugt mit seiner Zwillingsschwester Una.
Darüber hinaus ist Maximilian Aue aber, von der Vereinigung mit der Schwester abgesehen, schwul. Die Homosexualität ist ein weiterer Stein im Motivkomplex der Vereinigung des Unvereinbaren, in der sich der Zug zur Negation der Differenz offenbart. Dieser Furor der Identität, dieses Verlangen nach Ursprünglichkeit und Einheit, die ja auch als Fundament der Naziideologie angesehen werden kann, gipfelt in der Spiegelung von Juden und Ariern. So sieht beispielsweise Aue beim Besuch einer Führerrede in einer surrealistisch anmutenden Szene Adolf Hitler als Rabbi. Mehrfach wird das Zwillingshafte als Motiv zwischen den Juden und den Deutschen aufgerufen. Schließlich noch wird Aue nach der Ermordung seiner Eltern in fast kafkaesker Manier von einem wie Zwillinge auftretendes Ermittlerpärchen verfolgt. Und die Auflösung der Differenz im einzigen 'Scheitelauge', das Aue in Stalingrad in die Stirn geschossen wird, mit welchem er fortan eine geschärfte Sichtweise der Welt hat.
All dies schafft erst einmal einen literaturhistorischen und -theoretischen Rahmen, der es in sich hat! Die weiteren intertextuellen Bezüge sind zahllos!
Aber dies ist ja nur die eine Seite des Werkes, zeigt nur, auf welchem Niveau er angesiedelt ist. Etwas anderes ist die Handlung und das Erzählen selber:
Selbst Historiker bescheiden Littell unglaubliche Genauigkeit, was die Fakten der Darstellung angeht, wenn er Maximilian Aue als SS-Offizier das gesamte Panorama Europas im 2. Weltkrieg durchlaufen lässt.
Und was das Erzählen angeht: Es ist großartig! Über 1400 Seiten kommt keine Langeweile auf. Es gibt erschütternde Passagen, es gibt Passagen, die einem einiges abverlangen. Es ist ein gewaltiges Werk! Die literarische Auseinandersetzung mit Nazideutschland für das 21. Jahrhundert.

Thomas Reuter

Interresantes Buch
Die ellenlange Rezension erspar ich mir,dazu ist das Buch schon zu harter Stoff. 1376 Seiten begleitet man einen SS Offizier durch den Weltkrieg und lernt viele wichtige Leute des Naziregimes und deren Denkweise kennen.
Spannend, gut geschrieben und recherchiert, fast könne man meinen eine echte Biographie zu lesen.
!!!!Spoileralarm!!!!
Aber zum Glück beißt er in Hitlers Nase am Ende des Buches.
---5 Sterne---Lesenswert---

Kontroverse
Es ist bemerkenswert wie sich teilweise diesem Buch genähert und wie es aufgenommen wird. Das das Thema des Buches zur Kontroverse führen wird ist klar, aber macht es auch aus. Wünschenswert wäre, wenn man es schaffen würde sich mit Lesebeginn den knapp 1.400 Seiten möglichst vorurteilsfrei zu nähern. Dann könnte man das Buch auch in seiner Gesamtheit erfassen und nicht ständig daran herum zu mäkeln, dass nicht gewesen sein kann, was nicht gewesen sein darf.
Man muss an diesem Buch nicht alles mögen, was ich übrigens auch nicht tue, aber das macht es es.

Prädikat: Wertvoll
Über dieses Buch ist ja schon einiges geschrieben worden und dies genau so kontrovers wie das Werk selbst.
Zugegeben nicht jedermanns Sache. Das Buch ist ekelhaft (Geschmacksache) weil es eine ekelhafte Situation beschreibt. Den 2. Weltkrieg, Holocaust Genozid, Deutschland und die Deutschen der 30-40. Jahre.
All das in einer Sprache die unseren Geschichtsschreibern nicht durch den Hals wollte. Manchmal plump, kalt, trivial, bis hin zu pervers (?). Wer nach einem nettem 2.WK Roman wie The "Band Of Brothers" sucht, ist hierbei schlecht bedient. Littell beschreibt die Geschichte eines SS Offiziers Dr. Maximilian Aue der im Leben nicht viel mehr g...ickt wurde als manch einer von uns. Ein Homo der sehr früh eine innige Beziehung zur seiner Schwester (!) und dem eigenem Körper aufbaut.
Nun ja, wer mit dem Schwanz in der eigenen Schwester und einer Wiener Wurst im Hintern erwischt wurde, konnte damals auf Verständnis kaum hoffen ;-). Die Geschwister werden daraufhin getrennt.
Aue landet in einem Klosterinternat in dem pedophile Mönche ihr Unwesen treiben.
Darin kann natürlich nicht die Ursache dafür gesucht werden weshalb Max Aue das wurde, was er wurde. Er lässt sich einfach von der gegebenen Situation treiben...
Nachdem er von der SS durch Erpressung zum SD "angeworben" wird ("mit einem Hintern voll Sperma in den SD"), sucht er als ambitionierter SS Offz. und überzeigter Nazi nach einem einfachen Weg seinem Leben irgendeine Richgtung zu geben. Nach einem Zuspruch seines Führungsoffiziers Thomas in den Russlandfeldzug aktiv mit eingespannt. Seine Aufgaben (u.A. Gnadenschüsse nach einer Massenerschießung) führt er gewissenhaft, mit einem Quintchen pseudointelligenter Andacht durch...

Wollte man Max Aue als intelligent bezeichnen, währe die Frage nach dem warum er sich in dieser Geschichte überhaupt befindet unumgänglich! Aue ist nicht intelligent Aue ist nur ein Intellektueller. Doktor der Rechtswissenschaften! Zudem ein extremer dem kaum etwas heilig" ist und möglichst alles selbst erfahren will.

Aber eigentlich geht es gar nicht um Aue. Es geht um das was Aue beschreibt. Littell versucht den Wahnsinn darzustellen, der in einer Situation herrscht in der Logik, Mitleid und Menschlichkeit im weitesten Sinne komplett aussetzen.
Und damit ist nicht nur der 2.Weltkrieg gemeint. Es geht auch um das Deutschland der 30.-40. Jahre.

Aue versucht das erlebte mit Logik, Politik und damaliger Weltanschauung zu begründen.
Heydrich, Himmler, Hitler, Göring, oder Eicke, Kalternbruner, Höss... All das sind Kinder des Deutschen Reichs" gewesen. Ein Reich für Außenseiter, Spinner Extremisten und Sadisten. Ach ja und die bekennenden: "JA" und "...ike habe von nichts jewuist..." Sagern. (Die gibt es aber heute auch noch in Hülle und Fülle.)

Wer also nach einer Beschreibung sucht, die in etwa das wiederzugeben versucht was tatsächlich geschah und wer daran teilnahm, dieser wird an diesem Buch einen Gefallen finden obschon es keine Erklärung liefert...

Mal im ernst! Geht es Euch ähnlich wie mir, wenn Ihr fragend immer wieder die selben Antworten hört?
"Ich war kein Nazi...",
"Ich habe da nicht mitgemacht...",
"Ich habe das alles nicht gewusst!"

Das alles mag ja sein. Aber wieso nicht mal einem zuhören der es erzählen will? :-)


Mein Urteil: Provokant, perfekt recherchiert, direkt und für manch einen brutal. Jedenfalls absolut empfehlenswert

ein mammutwerk...
... aber wirklich ein oder gar d a s ereignis unserer jahrhunderthälfte? ich bin nach dem lesen merkwürdig irritiert. es gibt zu viele dinge hier, die ich nicht deuten kann.

hervorgehoben sein soll, dass es dem autor hervorragend gelingt, ja beängstigend gut, die dienstlichen belange des ss- mannes dr.aue zu schildern. es ist beim lesen, als spräche wirklich dieser mann, als schriebe er wirklich seine gedanken auf. hier findet man all diese dinge eindringlich beschrieben, die zur "banalität des bösen" dazugehören. zwischen frühstück und mittag wird über leben und tod entschieden, bei den opfern handelt es sich natürlich nicht um menschen, sondern um schmutz, um ungeziefer. emotionslos wird berichtet, wie man seine arbeit getan hat. da gibt es keinen gedanken der abbitte oder des wirklichen bedauerns. leid tut sich der protagonist vorwiegend selbst, und er leidet auch körperlich an immer wiederkehrendem durchfall oder an dem gestank. ich finde diese gleichgültigkeit dem verwerflichen tun gegenüber, diese eigenartige distanz der hauptperson zu seiner tätigkeit, zu den umständen, zu seiner zeit genial dargestellt.

fragen habe ich aber auch dazu, zu denen mir die antworten noch fehlen: warum muß der aue eigentlich schwul sein, nach den inneren gesetzen der ss doch ein kapitalverbrechen! dazu kommt noch inzest mit seiner schwester (die leider später ganz aus dem buch verschwindet), der wahrscheinlich in geistiger umnachtung begangene mord an seiner eigenen mutter (oder war er's doch nicht?). soll damit gezeigt werden, dass solche leute vom schlage eines aue pervers gewesen sind (wenn man es anhand der kaltblütigen schilderung des alltags in einer einsatzgruppe noch nicht vermutet haben sollte)? das aufwachsen ohne vater, ein hinweis auf schlimme kindheit?
eine der großen grauen ns-eminenzen im buch heißt mandelbrod- eine anspielung worauf? dann noch die ständig ins leere laufenden kriminalkommissare. und vor allem diese pervers- sexuellen traumerlebnisse oder halluzinationen, die seitenweise beschrieben werden, als der krieg seinem ende zugeht.

hervorragend gezeichnet wiederum die charaktere realer personen, eichmann, speer, ohlendorf und andere. manko dabei- ohne ein personenlexikon kommt man fast nicht aus. im glossar wären kurzbiografien nötig gewesen- was aber wiederum das buch noch dicker gemacht hätte. letztlich glaube ich, hat der autor zuviel unerbringen wollen und muß dadurch zu viele fragen (für mich) offen lassen.

alles in allem ein buch, was man lesen kann, aber das ist nict sehr zwingend. zur vertiefung des themas ss kann ich sehr empfehlen das sachbuch "der orden unter dem totenkopf. die geschichte der ss".


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