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Fesselnde Geschichte mit ernstem Hintergrund ![]()
Russland in Zeiten der eisernen Stalinherrschaft und die vielen guten Rezensionen hier haben mich neugierig gemacht. Ich wollte gerne etwas über Russland zu dieser Zeit lesen, jedoch keinen reinen historischen Tatsachenroman. Da kam mir "Kind 44" gerade richtig dachte ich - und wurde nicht enttäuscht.
"Kind 44" ist genau das was ich mir erhofft hatte. Eine mitreißende Geschichte, gespickt mit historischen Details, bei der auch abseits der eigentlichen Krimihandlung etwas über dieses dunkle Kapitel der ehemaligen Sowjetunion übrig bleibt.
Toll wie Herr Smith eine Atmosphäre aufbaut bei der man als Leser das Gefühl bekommt wirklich auf einem kalten russischen Bahnhof zu stehen, kurz vor der Abfahrt in eine ungewisse Zukunft. Und trotzdem oder gerade wegen dieser dichten Atmospähre verliert man sich als Leser nie vollends in der kriminalistischen Handlung sondern stutzt auch immer wieder über die nur allzu grausamen Zustände der damaligen Zeit.
Wie demütigend und wie hoffnungslos muss es für die Menschen gewesen sein, wenn man niemandem mehr vertrauen kann? Neben dem schlimmen Hunger und den Zuständen in den Waisenhäusern - um nur zwei konkrete Beispiele zu nennen - war für mich die Schilderung der vorherrschenden Angst und des abgrundtiefen Mißtrauens allem und jedem Gegenüber am bedrückendsten.
Sehr gut fand ich, wie einzelne Situationen beschrieben wurden in denen Personen etwas entscheiden mussten. Ob schwierige Entscheidung (Verfolgung der mutmaßlichen Täters in eine geografische Richtung Russlands) oder schnelle entschlossene Handlung (die Hilfe des Freundes eines Flüchtigen in der Scheune). Ich hatte immer das Gefühl alle naheliegenden logischen und vor allem auch emotionalen Gedanken wurden berücksichtigt. Klasse - nie hatte ich den Eindruck dass etwas Offensichtliches vergessen wurde. Im Gegenteil, ich hatte oft einen "ahja-stimmt-genau-das-auch-noch" Effekt.
Einen Stern Abzug gibt es für das etwas allzu vorhersehbare - jedoch durchaus realistische Ende - welches der berührenden Geschichte jedoch keinen Abbruch tut.
Prädikat: Lesenswert!
Naja ![]()
Wer sich einen spannenden Krimi erhofft, wird enttäuscht werden. Die erste Hälfte des Buches beschreibt das Leben des Protagonisten im Russland der Stalinzeit. Erst in der zweiten Hälfte des Buches geht die eigentliche Suche nach dem Kindermörder los. Ist er dann gefunden, ist man so enttäuscht von dieser platten Idee, dass man sich wünscht man hätte das Buch nie angefangen.
Die vielen Widersprüche will ich gar nicht erst gross diskutieren, nur soviel sie springen einen förmlich an.
Spannender Krimi - Historisch korrekte Zeitreise in den Stalinismus ![]()
Ein spannender, gut geschriebener Krimi und eine faszinierend-verstörende Zeitreise in den menschenverachtenden Stalinismus! Als Unterhaltungslektüre ebenso zu empfehlen wie als historisch-politische Weiterbildung!
Ein Thriller-Highlight des Jahres 2008 ![]()
Kurz vor Stalins Tod im Winter des Jahres 1953. Eine übel zugerichtete Kinderleiche wird auf den Moskauer Bahngleisen gefunden. Der Vater des Jungen wendet sich mit seinem Mordverdacht an seinen Vorgesetzten, den ehemaligen Kriegshelden und Geheimdienstler Leo.
In einem Staat, in dem per Definiton alle glücklich und zufrieden sind, gibt es allerdings keinen Grund für einen Mord und demnach auch kein Verbrechen. So beschwichtigt der linientreue Vorzeigeoffizier seinen Kollegen und dessen Familie mit Platitüden und lässt die Ermittlungen im bürokratischen Niemandsland versickern. Erst als seine eigene Glaubwürdigkeit angezweifelt wird und er selbst ins Fadenkreuz interner Ermittlungen gerät, wird ihm das Ausmaß von Stalins diktatorischer Herrschaft klar. Leos Frau wird der Spionage angeklagt und da er sich weigert, diese Anschuldigung zu unterstützen, wird er degradiert und auf einen Milizposten in der Provinz versetzt. Dort wird er wiederum mit einem ganz ähnlichen Verbrechen an einem Kind konfrontiert. Unter schwierigsten Bedingungen, immer in der Angst, entdeckt und verraten zu werden, führt Leo nun seine eigenen Ermittlungen durch.
"Kind 44", dessen Mordfall auf der realen Geschichte vom russischen Massenmörder Andrei Romanowitsch Tschikatilo basiert, ist nur vordergründig ein waschechter Thriller. Seine Spannung bezieht das Buch nämlich in erster Linie nicht durch die literarischen Elemente des Genres, sondern durch seine eindringlichen und glaubwürdigen Schilderungen einer vollkommen mundtot gemachten Gesellschaft, die von einem verkommenen, perversen und grausamen Bespitzelungssystem beherrscht wird. In einem Land, wo jeder wegen nichtigster Gründe hingerichtet oder zu lebenslänglicher Zwangsarbeit im Gulag verurteilt werden kann, verwischen die Grenzen zwischen gut und böse, couragiert und lebensmüde, normal und wahnsinnig. Tom Rob Smith schildert dabei eine ganze Reihe von Brutalitäten, wobei man allerdings nie den Eindruck erhält, dies geschehe aus Gründen der voyeuristischen Effekthascherei, wie es bei modernen Thrillern mittlerweile desöfteren der Fall ist.
Das packende, das erschütternde, ist die Tatsache, das Smith die politischen Umstände in der Stalin-Zeit realistisch wiedergibt. Und das lässt den Leser das Ganze auch so schwer verkraften. Der ein oder andere wird anprangern, das die Hauptfigur Leo im weiteren Verlauf eine Wandlung zum Regimegegner vollzieht. Ich persönlich habe das begrüßt, denn diese Kehrtwende ist das einzig tröstliche an diesem Buch, das sonst in erster Linie nur nachdenklich macht. Die eigentliche Krimihandlung kann dieses hohe Niveau leider nicht durchgehend halten. Einige logische Fehler und der vor allem zu Beginn nur träge in Gang kommende Plot, werfen dem Spannungsaufbau eine paar Stöcke zwischen die Beine. Auch das Ende gerät leider arg vorhersehbar und etwas kitschig.
Insgesamt ist "Kind 44" aber ohne Zweifel eines der Thriller-Highlights dieses Jahres, das neben der eigentlichen Story zum Mitfiebern eine zweite, tiefgründigere Ebene hat, die sehr anschaulich und eindringlich einen Blick auf eine der düstersten Epochen der russischen Geschichte wirft. Auf weitere Werke aus Smiths Feder darf gespannt gewartet werden!
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