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Bewegend, interessant, aber ohne Überraschungen ![]()
Jeder kennt seine Geschichte: Der 17jährige Schüler Marco W. wird im Türkeiurlaub nach einer harmlosen Schmuserei festgenommen und verbringt dank der schlampigen türkischen Justiz unglaubliche 247 Tage in Haft.
In seiner Biographie schildert er nun alles im Detail, angefangen vom Urlaubsbeginn über die verhängnisvolle Nachtbis hin zu seiner vorläufigen Freilassung im Dezember 2007. Offen und absolut ehrlich gewährt er Einblicke in seine Gedanken und Gefühle, die Haftumstände und die Prozesstage und wie er immer wieder Mut schöpfte.
Das Buch ist angenehm ehrlich und kurzweilig erzählt. Ich muss aber gestehen, dass ich trotz der interessanten Lektüre etwas ernüchtert zurück blieb. Große Überraschungen bleiben aus, eigentlich war alles schon durch die Medien längst bekannt geworden. Trotzdem eine interessante Lektüre für alle, die sich noch einmal näher mit dem Fall auseinander setzen wollen.
Ein lesenswertes und bewegendes Schicksal ![]()
Im Jahr 2007 sorgte der Fall des über mehrere Monate hinweg inhaftierten Jugendlichen Marco W. weltweit für Aufsehen.
In seinem Tagebuch ähnlichen Bericht schildert Marco Weiss seinen Urlaub im türkischen Antalya, seine Bekanntschaft zu deutschen und englischen Jugendlichen, die Geschehnisse im Zimmer der jungen Britin, seine Anklage, seine Inhaftierung im türkischen Gefängnis, seine über acht Monate immer wieder aufgeschobenen Gerichtsverhandlungen und schließlich seine Freilassung und sein normalisiertes Leben daheim in Deutschland..
Jemand, der Geschehnisse seinerzeit in den Medien verfolgt hat, der wird vieles noch in Erinnerung haben. In diesem Buch gibt Marco Weiss noch einmal alle Details aus seiner Sicht wieder. Schade hierbei ist, dass dabei die Chronologie manchmal verlassen wird, einigem vorweg gegriffen wird und sich einiges wiederholt. Die Geschehnisse und seine Empfindungen schildert der Autor überaus lebendig in einer bisweilen naiv anmutenden Schreibweise, die seinem jungen Alter jedoch entspricht und so dem Buch eine gewisse Authentizität verleiht. Auch wenn Marco Weiss immer wieder Unverständnis gegenüber der Anklage und dem Gericht zum Ausdruck bringt, oder er die Missstände im Gefängnis schildert, er greift weder die Personen noch die türkischen Institutionen an sich an. Er gibt zwar das Erlebte aus seiner Sicht wieder, doch ist er auch immer um eine gewisse Neutralität bemüht. Das verleiht dem Buch die Glaubwürdigkeit, die die Sache verdient. Vielmehr beschreibt Marco Weiss mehr als einmal, dass er in all den für ihn harten Monaten auch sehr viele nette und freundliche Türken unter den Gefangenen und der Exekutive kennen gelernt hat und er dem Land und den Menschen nichts nach trägt. Auch gegenüber dem mutmaßlichen Opfer und deren Angehörigen hegt er keinen Groll, nur sein Unverständnis bringt er immer wieder zum Ausdruck. Das nötigt einem Respekt ab!
Wenn sich Marco Weiss das gesamte Buch hindurch immer wieder bei all seinen Unterstützern bedankt und am Schluss sogar um Hilfe für seinen an Leukämie erkrankten Vater bittet, so fehlt mir in diesem Zusammenhang leider ein Appell an die Leser, damit diese nicht wie er in ähnliche Situationen kommen. Nämlich ein paar Worte darüber, dass wir Mitteleuropäer in vielen Tourismus-Ländern nicht immer auf die gewohnte liberale Einstellung von Polizei und Justiz hoffen dürfen, es auch andere Gesetze gibt und dass man sich in mancher Hinsicht nicht so sorglos verhalten darf wie daheim. Wenn man das allerdings zwischen den Zeilen herauslesen kann, ein durch aus bewegendes und lehrreiches Buch.
Ein lesenswertes und bewegendes Schicksal eines Jungen, der in die Mühlen von Justiz und Politik geraten ist.
M wie Maro, M wie Mutig ![]()
Ja, für mich ein sehr mutiges Buch, ein sog. nonstop "Durchlesebuch", das ich einfach nicht zur Seite legen konnte. Was muss in einem jungen Menschen vorgegangen sein, der nach zahllosen Verhandlungen im Ausland, mit erstklassigen Entlastungszeugen auf seiner Seite, für ihn unverständliche Vertagungen erlebte, von seinen Eltern getrennt wurde und immer wieder in seine Zelle zurück musste?
Warum mutig? Tatsache ist, das Buch platzt in ein laufendes Verfahren, auf dessen Einflussnahme die Betreiber mit unter recht ungehalten reagieren, weil sie das Recht der Unabhängigkeit beanspruchen.
Tatsache ist aber auch, dass ein Buch nicht einfach erscheint, sondern der Autor sich entschließt es zu schreiben, oder eben nicht. Die daraus resultierenden Konsequenzen, das muss einfach unterstellt werden, nimmt hier der Autor bewusst in Kauf.
Ich sehe deswegen allein im Erscheinen dieses Buches einen klaren Hin(Be)weis auf Marco's Unschuld. Dieses Buch zu schreiben, hieß sich ständig mit Situationen zu konfrontieren, die im Speziellen für einen Jugendlichen die Hölle gewesen sein müssen. Für einen Unschuldigen dient das der Aufarbeitung, ist aber gewiss nicht angenehm und erfordert unwahrscheinlich viel Kraft und Mut. Dies alles hinzunehmen ist wohl nur möglich, wenn Aspekte der Persönlichkeitsehre nicht außer Acht gelassen werden.
Ein Schuldiger, mittlerweile in Freiheit, mit dem Bewusstsein, in der Türkei nicht mehr zur Rechenschaft gezogen zu werden zu können, wäre wohl kein Risiko eingegangen, hätte sich versteckt und geschwiegen, allein schon deswegen , um nicht neuen Nährboden zu liefern. Für welche Adresse passt wohl dieses Raster?
Statt dessen versucht Marco in einem flüssigen Stil, nachvollziehbar, einfühlsam, schlüssig, und damit glaubhaft, die Aufarbeitung des ihm m. E. widerfahrenen Unrechts, angefangen bei der von ihm nicht nachvollziehbaren Anschuldigung des angeblichen Opfers, der gefühlten desaströsen Inkompetenz der Strafverfolgungsbehörde, der rechtswidrigen Beweiserhebung, über die skandalöse Unterbringung als U-Häftling unter zum Teil drogensüchtigen Erwachsenen, bis hin zu der gefühlten Prozessverschleppung, aus seiner ureigenen Sicht zu schildern und nimmt sich dabei selbst nicht aus. Ich denke an den Passus, es war vorbei, ehe es richtig begann. Die Wahrheit zu schreiben erfordert oft mehr Mut, als zu schweigen, dient letztlich aber als Beweis für Authentizität.
Eine mögliche oder beabsichtigte Einflussnahme auf den noch immer nicht abgeschlossenen Prozess kann ich auf Grund der geschilderten Umstände nicht erkennen. Die gesamten Erzählungen stellen subjektive Eindrücke dar und können m.E. nicht als Kritik am Gericht gewertet werden. Der Umkehrschluss würde ja bedeuten, dass Wahrheiten unterdrückt werden müssen.
Ich denke, es steht keinem Außenstehenden zu, negative Kritik am Erscheinungszeitpunkt dieses Buches zu üben. Vielmehr entscheidet das der unmittelbar Betroffene, nämlich dann, wenn Mauern zu bröckeln beginnen, die - um dieses unsägliche Leid mental zu überleben, errichtet wurden. Dann nämlich ist es gut vorstellbar, dass jemand seine nun nicht mehr hinnehmbare Rolle als Opfers realisiert. In unserer Geschichte, wie ich meine, als Missbrauchsopfer eines staatlichen Gewaltmonopols. Dies zu verdrängen, wäre der wohl falsche Weg.
Also ich finde, Marco hat jedes Recht der Welt dieses für mich gelungene Buch auch während eines nicht abgeschlossen Verfahrens zu veröffentlichen, zumal dessen Ende ja wirklich nicht abzusehen ist. Gelungen, hauptsächlich deswegen, weil Marco seine empörende Geschichte ohne Schuldzuweisungen erzählt und er somit das gefühlte Unrecht nicht mehr in sich isoliert.
Wenn jetzt, wie auch schon zu lesen war, einige Leute Marco oder seiner Familie, auf Grund dieses Buches Profitsucht vorwerfen, muss ich mich fragen, ob erbrachte Leistungen nicht mehr vergütet werden dürfen?
Fazit: Ein mehr als empfehlenswertes Buch, über einen mittlerweile auch unter tragischen Umständen erwachsen gewordenen Jugendlichen, dem sicherlich ein Teil seiner schönsten Zeit, von wem auch immer gestohlen wurde, der sich aber nicht verkriecht und hadert, sondern trotz seines schlimmen Schicksaals mutig die Initiative ergreift.
Meine Hochachtung vor solchen Menschen.
Volle Sternzahl.
für jeden dem das Schicksal von Marco nahe ging ein muss. ![]()
Hier schreibt Marco viel Neues über die Zeit im türkischen Gefängnis.
Man gewinnt einen Eindruck was der Junge alles ertragen musste und wie
er unter starker Angst seinen Alltag gemeistert hat. Besonders erschreckend ist unter welchen unmenschlichen Bedingungen ein Jugendlicher in der Welt von Schwerverbrechern leben musste.
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