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Les Adieux - Nature Morte im Schnee ![]()
Viel Handlung wird man bei Stewart O'Nan nie wirklich finden, Speed Queen ist da eher die Ausnahme. Die absolute Stärke seiner Romane und Erzählungen ist seine Beobachtungsgabe, eine bewusst reduzierte, bzw. unspektakuläre Prosa.
So auch "Letzte Nacht". Ein wirklich perfektes Prosabild, ich habe dieses Buch, ein Roman ist es nicht, eine Novelle auch nicht, Stewart O'Nan verzichtet auf eine nähere Bezeichnung, wie ein "im Moment des Betrachtens zum Leben erwachendes Nature Morte empfunden". Es sind die kleinen Dinge, die so faszinieren, Blicke, Gesten, zwischenmenschliche Spannungen, Tristesse und eine große Menschlichkeit, die aus jeder Zeile dieses kleinen Prosajuwels funkelt.
Der letzte Tag im Red Lobster kurz vor Weihnachten, bevor es für immer geschlossen wird. Der Chef Manny, seine Mitarbeiter, von denen er nur wenige zu seiner neuen Arbeitsstätte mitnehmen kann, aber auch die Gäste dieses besonderen Tages, "gerade heute muss alles perfekt sein" und das Wetter, dichter Schneefall und Verwehungen, nur wenige Gäste verirren sich ins Red Lobster. Persönliche Spannungen, verlorene Liebe, Entscheidungen fürs Leben, die Suche nach dem Weihnachtsgeschenk für die schwangere Freundin, während man sich von einer verflossenen Leidenschaft zu lösen versucht. Wer kommt an diesem letzten Tag noch zur Arbeit, wer kommt nicht, wieso erscheint man, wenn man eigentlich nicht müsste?
Stewart O'Nans sympathisch unspektakuläre Helden, bzw. Protagonisten, sind Menschen wie Du und ich, sie machen uns bekannte Fehler, sie treffen uns bekannte Entscheidungen, sie haben Wünsche und Hoffnungen wie wir, sie könnten unser Nachbar, die Kellnerin im Stammbeisel (bzw. Stammkneipe), der Tankwart unseres Vertrauens, oder unser Postbote sein.
Ein Buch, das sich einfach lesen lässt, das den Leser nicht mehr loslässt, ein Buch, dessen wahre Schönheit wir erst zur Gänze wahrnehmen, wenn wir das Buch nach den 157 Seiten zuklappen, in dem Augenblick, in dem Stewart O'Nans winterliches Nature Morte wieder erstarrt.
Langweilig ![]()
Dieses Buch muss das langweiligste sein , was Stewart O'Nan je geschrieben hat. Es passiert wirklich 140 Seiten lang nichts . Nach der Speedqueen und der Guten Ehefrau ein echter Abstieg . Schnarch !
Abschiednehmen ![]()
Manny, der Geschäftsführer einer Restaurant-Filiale, wird an diesem kalten Wintertag alle Dinge zum letzten Mal erledigen. Für ihn und seine Angestellten ist es der letzte Arbeitstag, bevor das Restaurant schließt. Die meisten von ihnen, werden danach arbeitslos sein. Manny selbst und vier seiner Kollegen haben bereits einen neuen Job. Wehmut liegt in der Luft, egal ob in der Küche, wo die Köche zum letzten Mal ihre Fisch-Spezialitäten zubereiten, oder bei den Serviererinnen, die auch heute ihre Gäste so zuvorkommend bedienen, als gäbe es ein nächstes Mal. Alles läuft wie immer, und doch ist alles anders. Denn mit dem Ende ihrer Arbeit, enden auch die Beziehungen der Angestellten untereinander. So weiß Manny, dass seine heimliche Affäre mit der Bedingung Jacquie mit dem Ende dieses Tages ebenfalls zu Ende sein wird. Abschiednehmen, das ist das Thema dieses Buches, alle müssen die Melancholie ertragen, die sich über jeden Satz und jeden Handgriff legt, wie eine Staubschicht. Diese Atmosphäre vermittelt O'Nan hervorragend, und so hinterlassen ein paar Stunden in einem kleinen Restaurant einen großen traurigen Eindruck beim Leser.
Im Schnee ![]()
Stewart O'Nan ist der Meister der kurzen Form. Wie bei einer Novelle beschränkt er seine Geschichte in Letzte Nacht auf einen Ort, auf einen Tag, auf eine Handvoll Menschen, die im Übergang leben. Das Red Lobster schließt eine seiner Filialen, obwohl zumindest dem Geschäftsführer Manny nicht ganz klar ist, warum. So schlecht waren die Zahlen nicht. Einige seiner Mitarbeiter werden übernommen, für andere ist es der letzte Arbeitstag. Ein Bus Chinesen, denen übel ist, zwei eingeschlagene Windschutzscheiben, ein unartiges Kind und eine ausgestandene Affäre zwischen Manny und einer Angestellten: vielmehr passiert nicht. Und doch wird von dem ganzen Abenteuer erzählt, das die Menschheit abseits der Fernsehgeräte und Werbeversprechungen ausmacht. O’Nan gelingt es meisterhaft, in seinem kleinen Kosmos die Welt zu spiegeln. Seine Menschen funktionieren, obwohl draußen die Stadt im Schnee versinkt, sie warten auf Gäste, bedienen sie, schlagen sich mit eigenen Hoffnungen und Enttäuschungen herum und lassen keinen Zweifel daran, dass es nächste Woche, nächstes Jahr, an einem anderen Ort, in anderer Zusammensetzung nicht genauso ist. Der Held Manny macht sich selbst, als er wehmütig das Restaurant verläßt, noch Gedanken darüber, ob er alles zur Zufriedenheit seines Arbeitgebers erledigt, ob er nicht etwas abzuschalten vergessen hat. Währenddessen schwimmen die Lobster, die er zu viel bestellt hat, mit zugebundenen Scheren im Aquarium. Ein Bild, das auf die Menschen in dieser beeindruckenden Geschichte paßt. Die Lobster werden wohl in einer anderen Filiale verzehrt werden. Und Manny und seine Crew nie merken, dass ihre Scheren längst außer Gefecht gesetzt wurden.
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