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Interessante Gesellschaftsreflexion! ![]()
Fünf Personen, die sich von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen bzw. es sind, treffen in einer Heilanstalt aufeinander, um von Ihrem Therapeuten Dr. Zens wieder in selbige integriert zu werden.
Das dies nicht der ausschließliche Plan des Doktors ist, ließt sich an den Zwischentönen schell heraus und erzeugt zusätzlich zu den stark differenzierten Krankheitsbildern der Hauptcharaktere eine enorme Spannung.
Diese geht gegen Ende des zweiten und im drittel Teil des Buches auf Grund des Perspektivenwechsels etwas verloren, regt aber mindestens im gleichen Maße wie der erste Teil des Buches dazu an, über unser Gesellschaftsleben und die Rolle der Medien nachzudenken. Und genau diese Auseinandersetzung ist es eigentlich, die neben der interessanten, gut geschriebenen Geschichte, den Roman so lesenswert macht.
Skurril, witzig und gleichzeitig traurig ![]()
Diese Geschichte beginnt eigentlich mitten im Leben. Menschen, die jahrelang neben ihren toten Angehörigen lebten, Briefträger, die jahrelang Post horten, Menschen, die auf einmal Stimmen hören - von solchen Fällen hat man zumindest schon mal gehört oder gelesen. Bemerkenswert ist, dass diese Personen eigentlich ziemlich normal sind und auch nicht unsympathisch. Zwar haben sie eine wahnwitzige Tat begangen, doch vorher waren sie unauffällig, wenn auch einsam - eben Briefträger, Sachbearbeiter, Architekten mitten unter uns. Doch ihnen ist gemein, dass die Gesellschaft sie zu Ausgegrenzten, Ausgeschlossenen, Gescheiterten gemacht hat. Sie alle haben im Leben versagt, obwohl sie nichts Schlimmes getan haben.
Nachdem das Hörbuch zu Beginn die Charaktere und ihre Lebensgeschichten vorstellt - und der Hörer sich nicht der Sympathie für sie erwehren kann, denn schließlich haben wir auch mit Michael Douglas in Falling Down sympathisiert, als er im Stau plötzlich durchdrehte - schwenkt die Geschichte im weiteren Verlauf um, nämlich als die Insassen ausbrechen, um ihren großen Plan, die neue, bessere Welt, zu verwirklichen.
Hier wird "Drachensaat" zur bitterbösen, brillanten Medien- und Gesellschaftssatire. Bemerkenswert gut gelungen ist Jan Weiler die Nachahmung der deutschen Medienlandschaft; so trifft er genau den jeweiligen Ton des Mediums, wenn er fiktive Beiträge aus FAZ, Bildzeitung oder ARD in die Story einbaut, die das Geschehen kommentieren.
Weilers Kritik an unserer Gesellschaft, an Politik und Zeitgeschehen kommt brandaktuell daher. In einer Zeit, in der Managergehälter, die klaffende Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Hartz-IV-Empfängern und Eliten und die angestrebte Chancengleichheit in der Bildung tagtäglich kommentiert und diskutiert werden, könnte diese Geschichte nicht passender sein, denn sie kommentiert all dies, hält uns einen Spiegel vor. Das tut bisweilen weh, sehr weh, und ist in grandiose Dialoge und Szenen verpackt. Wir alle wünschen uns eine Welt, die besser, freundlicher, gerechter und gleicher ist - nur tun wir zumeist nichts dafür. Weiler lässt in einem gelungenen Szenario die Verlierer der Gesellschaft auf einen ihrer Gewinner, einen Topmanager, ein Aushängeschild der deutschen Wirtschaft treffen. Das Ergebnis ist realistisch und deprimierend zugleich.
Das Hörspiel aus dem Hörverlag bietet eine Reihe bekannter Stimmen, unter anderem den Autor Jan Weiler selbst als Bernhard Schade, Matthias Haase als Dr. Heiner Zens, Annette Frier als Rita Bauernfeind, Baki Davrak als Ünal Yilmaz, Andreas Grothgar als Arnold März und Hartmut Stanke als Dr. Martin Barghausen. In weiteren Rollen überzeugen Bodo Primus, Edda Fischer, Martin Bross und weitere. Alle Sprecher machen ihre Sache sehr gut, und das Hörspiel ist mit recht dezenten Geräuschen unterlegt, die dem ganzen den Eindruck und die Akustik eines Kammerspiels verleihen.
"Drachensaat" ist skurril, witzig und gleichzeitig traurig, schlau ausgedacht, hochbrisant und ein Muss für alle, die sich mit unserer Gesellschaft zum aktuellen Zeitpunkt auseinander setzen. Eine unbedingte Empfehlung!
die Saat der Zwietracht - geht sie auf? - ein sehr unterhaltsames Buch ![]()
Nachdem ich mich durch alle zur Drachensaat veröffentlichten Rezensionen geackert habe, die durchweg gut geschrieben sind, machte ich mir Gedanken darüber, was ich dem geneigten Leser, der das Buch nicht kennt, noch sagen kann. Inhaltlich bestimmt nichts Neues, dazu haben meine Vorgänger/innen bereits viel und gut geschrieben. Ehrlich gesagt, hatte ich Weilers Maria, ihm schmeckt's nicht und Antonio im Wunderland bestens in Erinnerung, ja, habe mich beim Lesen dieser Bücher kugelig gelacht und bin eigentlich auch in Erwartung eines neuen Schmankerls dieser Art an Drachensaat gegangen.
Doch siehe da: bereits auf den ersten Seiten wird schnell klar, dass Weiler sein Thema ganz anders anpackt. Das Miteinander von Humor in der Darstellung und Ernsthaftigkeit im Thema ist es, was mir so gut gefallen hat. Die Figur des Bernhard Schade, die den ersten Teil des Buches im Rückblick erzählt, befleissigt sich denn auch eines ironisch-humoristischen Untertons, und man muss, manchmal fast wider Willen, schmunzeln, ja, es geht gar nicht anders, man muss sogar lachen, und das bei durchaus ernsten Themen wie der "Erziehung" seines behinderten Sohnes. Gleichwohl bemerkt man die Ernsthaftigkeit, mit der diffizile Themen wie die Neurosen und Psychosen der Patienten, die bei Dr. Zens im Sanatorium einen Therapieplatz finden, beschrieben werden.
Es erwartet den Leser keine intellektuelle Abhandlung oder schwere Kost, wer das befürchtet, kann das Buch gut lesen; wer das erwartet, wird enttäuscht. Ich finde Drachensaat sehr unterhaltsam, das sollte ein Buch dieser Art unbedingt sein. Es trifft den Nerv unserer Zeit, was die vielfältigen Diskussionsthemen in jeder Kaffeerunde angeht, und ermöglicht dem Leser, sich durchaus in der einen oder anderen Äußerung wiederzufinden, frei nach dem Motto: ja genau, habe ich auch schon so gedacht. Viel Vergnügen beim Lesen.
Wer ist hier verrückt?? (Hörbuch-Rezension) ![]()
Fünf Menschen unterschiedlichster Herkunft zerbrechen aus unterschiedlichen Gründen an ihrem Alltag. Auf Druck, Schikane und Ausgrenzung reagieren sie jeweils mit einer Handlung, die sie für einen kurzen Augenblick ins Zentrum des öffentlichen Interesses rücken, ehe sie für lange Zeit hinter den Mauern einer Psychiatrischen Klinik verschwinden.
Diese fünf Personen finden sich unversehens im Haus Unruh wieder, der psychiatrischen Privatklinik von Dr. Zens. Er will an ihrem Beispiel erforschen, warum angesichts des modernen Alttages nicht noch viel mehr Menschen schlicht und einfach durchdrehen und ausrasten.
Und schließlich will er die fünf mit einem spektakulären Experiment wieder ins Leben zurückholen. Doch schnell läuft die Versuchsanordnung aus dem Ruder, die Probanden übernehmen die Kontrolle und alles kommt ganz anders als geplant.
Wer "Drachensaat" nach der Lektüre der Maria- und Antonio-Bücher kauft, wird sich sicherlich verwundert die Augen reiben, denn mit den beiden ersten großen Erfolgen von Jan Weiler hat "Drachensaat" nur sehr wenig gemein.
Anhand der fünf Protagonisten entwickelt Jan Weiler eine bissige Gesellschaftssatire, bei der der Humor nicht zu kurz kommt und die in eine brillant gemachte Medienkritik mündet.
"Drachensaat" - ein gelungenes und sorgfältig besetztes Hörspiel, das auf sehr unterhaltsame Weise zum Nachdenken animiert.
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